SP-Forumsartikel für die Ausgabe der Andelfinger Zeitung vom 12.12.25
Ist es wahr, dass immer mehr Leute Nachrichten verweigern? 46 Prozent, so gross sei der Anteil der Bevölkerung, der darauf verzichte, Nachrichten aus verlässlichen Quellen zu lesen, zu hören oder zu sehen. Diese Studie des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft wurde von SRF Ende Oktober der Öffentlichkeit unter dem Begriff Nachrichtenverzicht (News Deprivation) präsentiert. Vielleicht trifft Nachrichtenvermeidung (News Avoidance) die Tatsache eher.
Auch ohne Studie ist es klar, dass sich das Verhalten Medien und Nachrichten gegenüber verändert hat. Journalistische Nachrichten in Fernsehen, Radio und Zeitungen werden durch soziale Medien ergänzt. Oder man setzt ganz auf soziale Medien.
Warum verzichtet man auf Nachrichten? Viele Leute haben die nicht enden wollenden negativen Nachrichten von Krisen, Skandalen und Katastrophen satt. Sie verzichten auf eine faktenbasierte Information, weil sie die negativen Nachrichten nicht ertragen, oder weil sie von deren Menge und Komplexität überfordert sind. Sie hängen zwar den ganzen Tag am Handy und konsumieren Medien, aber halt immer weniger Nachrichten. Man schaut lieber eine Netflix-Serie als eine News-Sendung und konsumiert in unserer von Social Media überfluteten Welt lieber unterhaltsame oder sensationelle Nachrichten. Das ist weniger anstrengend. Damit wird es zu einer Herausforderung, zwischen journalistischer Quelle, Falschmeldungen und Influencern, zwischen Tatsachen und Meinungen zu unterscheiden.
Gemäss der Studie beteiligen sich Nachrichten-Abstinenzler weniger am demokratischen Prozess. Sie gehen weniger abstimmen und haben weniger Vertrauen in die Politik und in die Medien. Andere lassen sich durch die vereinfachte emotionale Stimmungsmache von Social Media leicht manipulieren.
Was kann man da tun? Ein Lösungsansatz liegt wie immer auf der Hand: Die Schule soll nebst all den anderen Aufgaben die Medienkompetenz und die Staatskunde fördern. Aber lernt man nicht zuhause Werte und Haltungen, die später in der Schule, im öffentlichen Leben und im Beruf Bestand haben?
Das würde bedeuten, dass man Qualitätsmedien abonniert (z. B. öffentlich-rechtliche Angebote, etablierte Zeitungen, lokale Zeitungen) und dass man die Nachrichten mit anderen diskutiert (Freunde, Familie). Das fördert Verständnis und Einordnung. Wir müssen uns selbst an der Nase nehmen, selbst denken, selbst nachforschen und kritisch hinterfragen.
Wie immer Sie sich informieren, vertrauen Sie verlässlichen Quellen und tappen Sie nicht in die Falle von Fake-News, Stimmungs- und Meinungsmache!
Anita Fleury, SP Weinland

