SP-Forumsartikel für die Ausgabe der Andelfinger Zeitung vom 19.06.26
Es war einmal eine Prinzessin, die lebte in einem schönen grossen Schloss inmitten eines grossen Parks. Alles wäre wunderbar gewesen, ausser einem einzigen Problem. Im Sommer waren die grossen Räume schön kühl, aber im Winter saukalt. Obwohl jedes Zimmer mit Holz und Kohle befeuert wurde, stellte sich kein wohliges Behagen ein. Ausserdem störte die Prinzessin der massive Ausstoss von Co2, Russ und Rauch.
Wozu hat man einen Energieminister? fragte sich die Prinzessin. Minister Kartoffelstock riet ihr, im ganzen Schloss Elektrospeicher-Heizungen einzubauen. Der Strom komme günstig vom AKW, erst noch Co2-frei und immer verfügbar. Die Prinzessin war begeistert und liess das Schloss umbauen. Im nächsten Winter war es warm im Schloss. Aber eines Morgens erwachte sie und es war in allen Zimmern bitterkalt. Der herbeigerufene Kartoffelstock berichtete, man müsse im AKW Gösgen die Brennstäbe wechseln und es seien auch aufgeschobene Reparaturen nötig. Die Kosten für diese halbjährige Reparatur samt Stromausfall betrage 500 Millionen Franken. Allerdings müsse man die abgebrannten Brennstäbe hinten im Schlossgarten vergraben, dort blieben sie dann für 1 Million Jahre. Danach sei es aber wieder warm im Schloss, und Strom sei dann künftig in Hülle und Fülle da, weil er ja plane, ein paar neue AKWs zu bauen. Entsetzt fragte die Prinzessin, ob es denn keine andere Lösung gebe. Der Minister und seine Freunde antworteten darauf, dass ohne seinen Plan ein Blackout drohe, und es gebe nichts, was man dagegen tun könne.
Da bat die Prinzessin den Hofnarr um Rat. Der erzählte ihr, es gebe Leute, die als Heizung eine Wärmepumpe hätten und den Strom mit Fotovoltaik auf den Hausdächern erzeugten. Was denn das koste, wollte die Prinzessin nun wissen. Der Hofnarr antwortete ihr, mit dem Geld, das der Energieminister in neue AWKs und den Unterhalt der bestehenden stecken wolle, könnte man die ganze Schweiz mit Solarstrom und den anderen erneuerbaren Stromquellen versorgen.
Umgehend entliess die Prinzessin Minister Kartoffelstock und stattete sämtliche Dächer ihres Schlosses mit Fotovoltaik aus. Auf den Türmlein liess sie sogar kleine Windräder installieren. Endlich hatte sie es im Winter dauerhaft warm im Schloss und war sehr zufrieden. Mit dem nötigen Geld aus dem Schlossschatz stellte sie dank einer genialen Energiestrategie bis 2050 laufend die ganze Gegend auf schonende Stromversorgung um. Von einem Blackout hörte sie nie wieder etwas.
Peter Kissling, Co-Präsident SP Weinland

