SP-Forumsartikel, Ausgabe der Andelfinger Zeitung vom 14.08.26
Der Sommer 2026 hat sich eingebrannt. Rekordtemperaturen, tiefe Pegelstände, Waldbrände in Bordeaux, Sizilien und Spanien. Man muss das Thema nur kurz kreuzen, und schon ist man mittendrin. Kein Wunder also, dass Klimawandel, Umweltschutz und Umweltkatastrophen im Sorgenbarometer der Bevölkerung so weit oben stehen. Das Thema ist längst nicht mehr eine Sache von Klima-Aktivistinnen oder Klimaklebern.
Es betrifft den Bauern, dem die Ernte misslingt und der sich fragt, wie er seine Tiere diesen Winter füttern soll. Es betrifft die Lehrperson, die in einem Schulzimmer mit 30 Grad unterrichtet, und die Kinder, die dort irgendwie noch lernen sollen. Der Strassenbauer schuftet in praller Hitze weiter, weil die Baustelle nicht warten kann. Am Bodensee bleiben dem Badibesitzer die Gäste aus, weil der Wasserstand so tief ist, dass kaum noch jemand kommt. Die vierte Hitzewelle dieses Sommers hat neue Herausforderungen gebracht, vor allem für ältere Menschen, aber auch Tiere, Wälder und Seen stehen unter Druck.
Man fragt sich, wo eigentlich die Politik bleibt und wie viele Symptome wir noch bekämpfen müssen, bevor wir uns endlich um die Ursachen kümmern. Bemerkenswert ist, wie unterschiedlich die Parteien in diesem Sommer reagieren. Plötzlich ist von baulichen Massnahmen, Gebäudesanierungen und sogar Klimaanlagen die Rede, quer durch das ganze politische Spektrum. Interessant ist, wie sich auch jene Parteien positionieren, die dem Klimaschutz sonst skeptisch gegenüberstehen. Wegen der anhaltenden Trockenheit fordern inzwischen auch bürgerliche Kreise mehr staatliche Massnahmen und Lösungen, welche von derselben Seite bisher oft abgelehnt wurden. Ob das für einen grundsätzlichen Kurswechsel steht oder eher für eine punktuelle Anpassung, bleibt offen. Schön ist immerhin zu sehen, dass über Parteigrenzen hinweg nach Lösungen gesucht wird.
Offen bleibt allerdings auch, wie lange dieses Engagement anhält. Klar muss sein: Klimapolitik darf nicht verschwinden, sobald die ersten kühlen Herbsttage kommen. Kinder in überhitzten Schulzimmern, ältere Menschen, die gesundheitlich leiden, Bauern, die um ihre Ernte bangen, sie alle brauchen mehr als schöne Versprechen für das nächste Wahljahr. Gefragt ist eine Politik, die auch dann noch dranbleibt, wenn die Temperaturen wieder fallen und die Schlagzeilen längst zu etwas anderem gewechselt haben.
Soraya Wehrli, SP Weinland



