Erfolgsgeschichten der SP-Weinland

Die Arbeitsgruppe «Erfolgsgeschichten der SP Weinland», bestehend aus Fabrizio Boeniger, Käthi Furrer, Peter Kissling und Thomas Röhren, hatte sich 2021 zum Ziel gesetzt, Erfolge der SP zusammenzutragen, sichtbar zu machen und sie in den grösseren Zusammenhang der Werte und Ziele der Sozialdemokratie zu stellen.

Um möglichst viel Material zu sammeln, haben wir im Oktober 2021 eine Umfrage an unsere Mitglieder geschickt und sie gebeten, uns bei der Suche nach kleinen und grossen Erfolgsgeschichten zu unterstützen, worauf einige Beiträge eingegangen sind.
Die schriftlichen Schilderungen und prägnanten Bilder stellen jeweils eine Erfolgsgeschichte anschaulich und verständlich dar.

Grundstock für die Illustrationen der historischen Teile bilden Plakate aus der Geschichte der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie. Viele davon sind bei der Stiftung SP Bildung als Dateien erhältlich.

Wir möchten mit dieser Broschüre der «internen Öffentlichkeit» – das heisst unseren Mitgliedern und Sympis – vermitteln, dass sich die SP seit über 100 Jahren für unsere Mitbürger:innen einsetzt.
Wir zeigen damit auch, wann und wie sich unsere Partei auch auf lokaler Ebene zu einem Thema hervorgetan hat, was sie in Politik und Gesellschaft erreicht hat.

Viel Freude beim Blättern durch unsere Erfolgsgeschichten.
Käthi Furrer

Die grosse Angst vor Tempo 30

SP-Forumsartikel für die Ausgabe der Andelfinger Zeitung vom 17.10.25

Vor dem Ortseingang von Benken steht, wenn man von Uhwiesen her einfährt, eine 60er Tafel. Keine 100 m weiter abwärts folgt die Tafel für Tempo 50. Diese hätte man sich sparen können, wäre auf der ersten Tafel bereits Tempo 50 signalisiert. Noch extremer ist die Situation bei der Einfahrt Trüllikon von Westen her: zuerst Tempo 50, nach nur 30 m folgt Tempo 40. Es scheint den zuständigen Beamten des Kantons extrem wichtig zu sein, dass man auf diesen paar Metern noch 10 km/h schneller fahren darf.

Noch deutlicher aber wird dieses Beharren auf möglichst hohem Tempo beim Projekt der Ortseinfahrt Ossingen, über die in der Andelfinger-Zeitung Mitte September berichtet wurde. Der Kanton plant dort eine Mittelinsel zur Verkehrsberuhigung, wobei immer noch Tempo 50 gelten würde. Weil die Strasse recht eng ist, müssen auf beiden Seiten die schönen Vorgärten verkleinert werden, die das schützenswerte Ortsbild prägen. Bevölkerung und Gemeinderat schlagen eine einfache Lösung vor: Die bestehende Tempo-30-Zone sollte in diesen Bereich vorgezogen werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die angestrebte Verkehrsberuhigung tritt ein, die Sicherheit wird verbessert, die Lärmbelastung sinkt, und nicht zuletzt: Die Kosten dürften einen Bruchteil der Kantonslösung betragen. Aber der Kanton macht da bis jetzt nicht mit.

Ich frage mich: Woher kommt es, dass autofreundliche Kreise Tempo 30 fürchten wie der Teufel das Weihwasser? Verkehrsminister Rösti hat sogar eine Verordnung ausgeheckt, die es den Städten und Gemeinden stark erschweren soll, Tempo 30 einzuführen. Weil eine Verordnung nicht dem Referendum unterstellt ist, soll das Stimmvolk nichts dazu zu sagen haben. Wo bleiben da die demokratischen Volksrechte, die die SVP doch immer so hochhält?

Dabei haben Pilotversuche, z. B. in Aaraus stark befahrener Bahnhofstrasse, gezeigt, welches die Vorteile von Tempo 30 sind: Stark verbesserte Verkehrssicherheit, sinkender Lärmpegel, und – in krassem Gegensatz zu den Befürchtungen der Gegner – eine Verbesserung des Verkehrsflusses.

Warum also dieser Abwehrreflex gegen Tempo 30? Wenn überhaupt Zeitverluste eintreten, dürften sie sich gerade auf städtischen Strecken im Sekundenbereich bewegen. Auch wird beklagt, dass der öffentliche Verkehr behindert werden könnte. Werden sich die Leute, die dieses Argument vorbringen, bei den nächsten Vorlagen auch so vehement für den ÖV einsetzen?

Ich jedenfalls hoffe, dass der Ausbau von Tempo 30 nicht behindert wird. Denn in einem Punkt sind wir uns hoffentlich alle einig: Jedes Unfallopfer ist eines zu viel. Tempo 30 hilft, sie zu vermeiden.

Jürg Keller, SP Weinland

Schulsozialarbeit – eine wichtige Stütze für die Schulen

Forumsartikel SP Weinland, Andelfinger Zeitung, Ausgabe Freitag, 22.08.25

Die Sommerferien sind zu Ende und rund 15’800 Schülerinnen und Schüler starten im Kanton Zürich in die erste Klasse. Das Bildungswesen ist permanent in den Medien. Die Bildung kostet die Gemeinden und den Kanton viel Geld, und diese hohen Investitionen in die Bildung sind gerechtfertigt. Bei einer alternden Gesellschaft und Fachkräftemangel ist es unverzichtbar, den Nachwuchs für sämtliche Branchen gut auszubilden. Unsere Gesellschaft hat grossen Umwälzungen entgegenzutreten. In den vergangenen Jahren sind die Anforderungen an Kinder und ihre Eltern immer grösser geworden. Wirtschaftliche Unsicherheit, psychische Erkrankungen, Überforderung im Schulalltag sind anspruchsvolle Themen, die es zu bearbeiten gilt. Denn die Kinder und Jugendlichen werden es sein, welche morgen und übermorgen das Ruder übernehmen und die Zukunft gestalten.

Leider sind die Aussichten, dass unsere Kinder es einmal besser haben als wir, nicht mehr gegeben. Umwelt, Wirtschaft, Konflikte und Überalterung sind nur einige der Themen, welche die kommende Generation herausfordern. Die Schulen tun bereits einiges, um die Kinder auf dem Weg in die Selbständigkeit zu unterstützen. Viele der Bemühungen fruchten durchaus. Unsere Lernenden sind in der Lage, an internationalen Wettbewerben immer wieder vordere Plätze zu erzielen.

Um Chancengerechtigkeit zu schaffen und zu wahren, ist es notwendig, dass alle einen möglichst gleichberechtigten Zugang zur Bildung bekommen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Elternhaus und ihrem Geschlecht. In den Schulen im Weinland gibt es seit längerem verschiedenste Bestrebungen, dieses Ziel zu erreichen. Eine der wichtigen Stützen für die Schulen ist die Schulsozialarbeit. Sie unterstützt Kinder in schwierigen Situationen, die Kinder haben eine Ansprechperson für Anliegen und Nöte, jemanden, der sie anhört und ihnen Hilfe vermittelt, damit sie wieder konzentriert lernen können. Daneben engagieren sich auch die Lehrkräfte, die Kinder ausserhalb des Lernstoffs beim Heranwachsen zu unterstützen.

Kinder brauchen eine gute Schule mit guter Gemeinschaft, um sich positiv entwickeln zu können. Im Weinland haben wir viele Ressourcen, die dazu beitragen: Sportvereine, Mittagstische und Begegnungsorte. Dennoch ist und bleibt es unsere Aufgabe, allen Kindern und Jugendlichen zuzuhören, die Dinge auch einmal aus ihrer Perspektive zu betrachten und sie in unsere Entscheidungen einzubeziehen. Wir Erwachsenen geben ihnen damit eine Stimme. Es freut mich immer wieder zu hören, dass Kinder Teil des Dorflebens sind und ihre Bedürfnisse auch sichtbar erfüllt werden. Zum Beispiel durch Ferienangebote, Spielplätze und Vereinsstrukturen.

Holger Gurtner, SP Weinland, Gemeinderat Feuerthalen, Ressort Gesellschaft

Inselmuseum Rheinau: Erfolg dank geschickter Lobbyarbeit

Forumsartikel SP Weinland, Andelfinger Zeitung, Ausgabe Freitag, 20.06.25

Letzte Woche verbrachte ich im Rahmen einer Weiterbildung zwei Tage auf der Klosterinsel in Rheinau. Wir genossen die Atmosphäre, die wunderbare Anlage und die Stille. Ja, ruhig war es tatsächlich. Wir waren fast die einzigen Gäste auf der ganzen Insel, nur der eine oder andere Handwerker und vereinzelte Touristen fanden den Weg über die neue Brücke.
Das könnte sich in wenigen Jahren ändern. Die Regierung hat Mitte April einen Projektierungskredit von fast vier Millionen Franken für die Sanierung des Abttrakts bewilligt und ein Kostendach von 20 Millionen Franken für dessen Umnutzung zum Museum und zur Erweiterung der Musikinsel festgelegt. Nach jahrelangem Warten dürfte das endlich der entscheidende Durchbruch sein – für die Realisierung eines attraktiven, modernen Museums zur Geschichte des Klosters und der Psychiatrie in Rheinau. Das Museum würde endlich auch den Zugang der Öffentlichkeit zu einem Teil der imposanten Klosteranlage ermöglichen. Das Museumskonzept sieht zudem vor, die ganze Insel mit Spaziergängen zur Bau- und Nutzungsgeschichte des Klosters und mit einem Kloster-Krimi zu «bespielen». Die Rheinauer Klosterinsel hat schon längst ein grösseres Publikum verdient! Vielleicht gelingt es dann ja sogar, das wunderschöne Restaurant Klostergarten mit seiner zauberhaften Gartenwirtschaft direkt am Rhein zu neuem Leben zu erwecken. Weshalb das Inselmuseum Rheinau Thema des heutigen Forums ist, in welchem sich die politischen Parteien des Weinlands jeden Freitag frei äussern können, hat gute Gründe: Die Zürcher Regierung hat bereits 2009 ein Umnutzungskonzept für die ganze Insel beschlossen. Sie sollte neu zum Übungsort für Musiker:innen werden, eine Hauswirtschaftsschule für die Zürcher Mittelschulen beherbergen sowie ein Restaurant und im Abteitrakt ein Museum umfassen.
Die Bildungsdirektion realisierte inzwischen die Schule, eine Stiftung die Musikinsel, das Restaurant nahm zwar den Betrieb auf, fiel aber letztlich dem fehlenden Publikum und der Coronapandemie zum Opfer. Weil dem Kanton die Rechtsgrundlage für die Führung eigener Museen fehlt, wurde der Verein InselMuseumRheinau gegründet. Dieser entwickelte im Auftrag der Regierung mit Mitteln aus dem Lotteriefonds ein überzeugendes Detailkonzept für das Museum; die Regierung verzögerte aber während Jahren dessen Realisierung. Dass es nun endlich vorwärts geht, ist auch der geschickten Lobbyarbeit aller vier Kantonsrät:innen aus dem Bezirk zu verdanken. Einmal mehr hat sich bestätigt: Wenn die politischen Vertreter:innen des Weinlands über die Parteigrenzen hinweg energisch zusammenstehen, kann im fernen Zürich auch für eine kleine Randregion einiges bewegt werden. Dafür möchte ich unserer Vertretung im Kantonsrat herzlich danken. Spätestens wenn die Vorlage zum Abteigebäude in den Kantonsrat kommt, werden wir sie wieder dringend brauchen.

Markus Späth-Walter, SP, alt Kantonsrat, Vizepräsident InselMuseumRheinau

Warum die Familienzeit-Initiative auch im Weinland wichtig ist

Forumsartikel SP Weinland, Andelfinger Zeitung, Ausgabe Freitag, 25.04.25

Ich bin 20 Jahre alt und lebe im Zürcher Weinland. Meine Generation steht vor vielen Herausforderungen: Klimawandel, Fachkräftemangel und der Wunsch, irgendwann eine Familie zu gründen. Doch noch immer ist es in der Schweiz – und auch im Weinland – schwierig, Familie und Beruf gerecht zu vereinen. Die Familienzeit-Initiative möchte das ändern. Sie fordert 18 Wochen bezahlte Elternzeit für beide Elternteile, eine gerechtere Verteilung der Familienarbeit und echte Wahlfreiheit für alle Familien. Für mich und viele andere junge Menschen ist das längst überfällig.

Derzeit übernehmen meist die Mütter den Grossteil der unbezahlten Familienarbeit. Väter würden gern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, können dies aber oft nicht aufgrund finanzieller Einschränkungen oder gesellschaftlicher Erwartungen. Im Weinland, wo immer mehr junge Familien leben und auch die älteren Generationen eine wichtige Rolle spielen, ist das Thema besonders relevant. Unsere Region bietet ideale Bedingungen für Familien: kurze Wege, enge Gemeinschaft und Nähe zur Natur. Doch es fehlen oft die richtigen Strukturen, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren.

Einige Wirtschaftsverbände und KMUs kritisieren die Initiative als zu teuer und unflexibel. Sie befürchten, dass die Organisation in den Betrieben schwieriger wird. Gerade kleinere Unternehmen könnten Schwierigkeiten haben, Mitarbeitende während der Elternzeit vertreten zu lassen. Aber es gibt auch viele Gründe, warum gerade kleine und mittlere Unternehmen von einer familienfreundlicheren Arbeitswelt profitieren können. Wer familienfreundliche Arbeitsbedingungen bietet, gewinnt motivierte und qualifizierte Mitarbeitende, die langfristig bleiben.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Bevölkerung immer älter wird, und gleichzeitig sinkt die Zahl der Geburten. Wenn wir unsere Gesellschaft und Wirtschaft stabil halten wollen, müssen wir junge Familien stärker unterstützen. In vielen europäischen Ländern gibt es schon viel längere und besser bezahlte Elternzeiten als in der Schweiz. Hierzulande liegt die Elternzeit in vielen Fällen bei nur 14 Wochen, was im internationalen Vergleich sehr wenig ist. Das zeigt, wie dringend wir in der Schweiz aufholen müssen, um Familien die Unterstützung zu bieten, die sie brauchen.

Natürlich gibt es berechtigte Fragen zur Umsetzung und zu den Kosten. Aber diese dürfen nicht dazu führen, dass wir Fortschritte aufschieben. Wir brauchen Lösungen, die der Lebensrealität von jungen Familien gerecht werden, auch in ländlichen Regionen wie dem Weinland. Es ist an der Zeit, für eine Zukunft einzutreten, in der Eltern ihre Kinder gemeinsam betreuen und gleichzeitig im Berufsleben erfolgreich bleiben können. Die Familienzeit-Initiative ist eine Chance, die wir nutzen sollten.

Soraya Wehrli, SP Weinland

So kann einer Zunahme der älteren Bevölkerung begegnet werden

Artikel von Roland Müller in der Schaffhauser Nachrichten vom 4. April 2025

An der Delegiertenversammlung des Zweckverbands Zentrum Kohlfirst präsentierte Markus Späth das Projekt «Älter werden im Weinland».

Wenn es nach Prognosen geht, wird bis zum Jahr 2059 im Zürcher Weinland der Anteil der betagten Bevölkerung ab 80 Jahren deutlich grösser. Damit nimmt auch jener Teil zu, welcher auf eine Pflege angewiesen ist. Um frühzeitig die Weichen zu stellen, hat der Gemeindepräsidentenverband Bezirk Andelfingen (GPVA) vor einigen Jahren das Projekt «Älter werden im Weinland» lanciert, um Antworten und Lösungen zu suchen.
Man geht davon aus, dass der Anteil von Menschen ab 80 Jahren bis 2040 von heute rund 1600 auf 3200 und bis 2050 gar um 155 Prozent auf 4276 Menschen anwächst. «Wir haben heute in fünf eigenständigen Heimen mit unterschiedlichen Trägerschaften 282 Betten», führte der Präsident des Zweckverbandes Zentrum Kohlfirst, Markus Späth, vor den Delegierten und Gästen aus. Er verwies dabei einerseits auf sich abzeichnende fehlende Pflegebetten und anderseits einen hohen Anteil von Menschen mit einem tiefen Pflegebedarf. Ein Ausbau der Dienstleistungen der aktuell noch fünf Spitexorganisationen erachtet Späth mit Blick auf die unterschiedlichen Trägerschaften als schwierig. Zudem verfügt man im Weinland noch über kein betreutes Wohnen mit Anschluss an Pflegezentren oder Spitex.

Höhere Nachfrage

Bezüglich den sich abzeichnenden demografischen Entwicklungen geht die Arbeitsgruppe davon aus, dass 17 Prozent über 80 in einem Heim Pflegestufen von 5 bis 12 beanspruchen und weitere 37 Prozent deren eine von 0 bis 4 benötigt. Basierend darauf, dass die Pflegestufen 0 bis 4 in betreuten Wohnformen und nicht in Pflegeheimen erfolgen können, zeigen die Bettenprognosen, dass die Pflegeplätze ausreichend sind, sofern 150 Plätze für betreutes Wohnen geschaffen werden. Bis 2040 sind zusätzlich 61 Pflegebetten und weitere 50 Wohnplätze nötig. Für 2050 werden 271 Plätze für betreutes Wohnen und zusätzliche 174 Betten in Heimen prognostiziert. Späth zeigte sich überzeugt, dass sich mögliche Lösungen nur mit einem solidarischen Gemeinschaftswerk aller Weinländer Gemeinden realisieren lässt.
«Den Pflegezentren wird empfohlen, Ausbaumöglichkeiten von zusätzlichen Betten ab 2040 zu prüfen», sagte Späth. Weiter gilt es abzuklären, ob ein Zusatzangebot für betreutes Wohnen geschaffen werden kann. Nicht zuletzt werden aber alle fünf Heime ersucht, eine vertiefte Zusammenarbeit mit offenem Ergebnis bis hin zu einer möglichen Fusion zu prüfen. Ebenfalls geht ein Rat dahin, dass man Zusatzangebote wie eine Tagesstruktur, Entlastungspflege, Ferienangebote, Kurzpflege oder auch Nachtstätten zu prüfen hat. Denn ein möglichst langes, auch teilweise betreutes selbstständiges Wohnen entlastet die Pflegeheime insbesondere mit Betagten, welche nur wenig oder gar keine Pflege beanspruchen.

Erste Schritte gemacht

Bereits ist im Bezirk eine Fachstelle für Alter und Gesundheit aufgegleist worden. Sie soll als Anlaufstelle für ältere Menschen und ihre Angehörigen im Weinland erste Anlaufstelle bezüglich aller Altersfragen sein. Zugleich wird sie eine Vermittlung von Angeboten vornehmen. Anderseits hat diese auch die Gemeinden im Visier. Sie soll zur Vernetzung und Förderung der integrierten Versorgung im Bezirk beitragen. Zudem hat sie eine Koordinationsaufgabe zwischen den Gemeinden, der Spitex, Ärzten und Heimen vorzunehmen und auch als Fachorgan den entsprechenden Behörden und Zweckverbänden zur Verfügung zu stehen. «Alle Gemeinden ausser Ossingen sind im Boot, und man wird in der zweiten Hälfte 2025 starten», kündigte Späth an.
Vorerst übernimmt eine Ad-hoc-Trägerschaft unter der Federführung des Gemeindepräsidentenverbandes das Zepter, und es wird eine Anlaufstelle geschaffen, wobei die Zusammenarbeit mit einer bestehenden Institution bereits aufgegleist ist. Darüber hinaus ist die Gründung einer Trägerschaft für die Fachstelle in Vorbereitung. Bei ähnlichen Modellen verfügt das Weinland bereits über gewisse Erfahrungen. Späth verwies auf die Asylkoordination, wo alle Gemeinden eingebunden sind, um die Lasten gemeinsam zu tragen.

Die Inklusion ist ein Erfolgsmodell

Forumsartikel SP Weinland, Andelfinger Zeitung, Ausgabe Freitag, 28.02.25

In der Schweiz leben 1,8 Millionen Menschen mit Behinderungen, das sind 22 Prozent der ganzen Bevölkerung. Seit 2004 ist das Behindertengleichstellungsgesetz in Kraft und 2014 hat sich die Schweiz mit der Ratifizierung der UNO-Behindertenrechtskonvention zu einer inklusiven Gesellschaft verpflichtet.

Die Integration von Menschen mit Behinderungen in unsere Gesellschaft – und damit die Sicherstellung der Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben – ist ein wichtiger und richtiger Grundsatz. Es sagt viel über eine Gesellschaft aus, wie sie mit Menschen umgeht, welche spezielle Bedürfnisse haben. Die SP spricht sich klar gegen eine Ausgrenzung und Separierung von solchen Menschen aus, auch wenn dafür ein grosser Effort geleistet werden muss.

Dies gilt insbesondere auch für alle Kinder. Den Stimmen, welche behaupten, die Inklusion in der Schule sei gescheitert, muss ich hier widersprechen. Als Gymnasiallehrerin stelle ich fest, dass in den letzten 25 Jahren immer mehr Kinder mit körperlichen oder mentalen Behinderungen ins Gymnasium kommen. Es gelingt ihnen, trotz ihrer Handicaps die Primarschule zu absolvieren, die zentrale Aufnahmeprüfung zu bestehen und dann auch erfolgreich eine Matur zu machen.

Dass dies in den letzten Jahren möglich wurde, hängt stark damit zusammen, dass Kinder möglichst lange integrativ im normalen Schulsetting unterrichtet werden und auf eine Überweisung an eine Sonderschule verzichtet wird. Dass das für alle Beteiligten, sowohl für betroffene Kinder, Klassenkameraden und Lehrpersonen anspruchsvoll ist, muss an dieser Stelle auch sehr klar gesagt werden. Es ist nur möglich, wenn die nötige Unterstützung durch Fachpersonen an der Schule gewährleistet werden kann, was in der Volksschule durch Heilpädago:innen, Assistenzen, Schulsozialarbeiter:innen usw. geschieht. Es besteht aber noch Handlungsbedarf. Zum einen herrscht bekanntlich ein akuter Fachkräftemangel vor allem bei den Heilpädagog:innen. Aber auch die Ausbildung der Lehrpersonen an der Pädagogischen Hochschule muss sich verstärkter diesem Thema widmen. Am Gymnasium und an den Berufsschulen fehlen im Moment solche Unterstützungsmöglichkeiten gänzlich, und die neu eingeführte Schulsozialarbeit auf der Sekundarstufe II vermag dies allein nicht zu leisten. Es ist enorm wichtig, dass bis zum Schluss der Erstausbildung genügend Ressourcen für Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen vorhanden sind, damit sie ihre Ausbildung erfolgreich abschliessen können. Wie heisst es doch in der Präambel unserer Bundesverfassung: «Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.»

Sibylle Jüttner, Kantonsrätin SP, Andelfingen

Wie geht’s dir?

Forumsartikel SP Weinland, Andelfinger Zeitung, Ausgabe Freitag, 20.12.24

Diese Frage steht oft zu Beginn eines Gesprächs. Meist als Floskel gestellt, eröffnen diese drei Worte jedoch ein weites Feld von Antworten und enthalten eine Interessensbekundung für das Gegenüber. Diese Frage bewirkt mehr als es scheint. Sie gibt unter Umständen Halt und verbindet. Gerade in der Zeit zum Jahreswechsel, den viele festlich und schön, dennoch auch einige einsam verbringen, ist das Miteinander so wichtig. Ein ernst gemeintes «Wie geht’s dir?» wirkt.

Seit einigen Jahren vergrössert sich die Zahl derer, welche von psychischer Beeinträchtigung betroffen sind. Nicht wollen zu können, ist eine schwere Last. Ein Verständnis dafür ist in der pulsierenden Arbeitswelt gefühlt nur gering vorhanden. Der Leistungsdruck ist allgegenwärtig. Neue Rekorde, Effizienz, Rendite und vieles mehr lassen viele Menschen ratlos stehen und führen dazu, dass sie sich in einer Welt voller Anforderungen und Möglichkeiten nur schwer gehört fühlen. Die Gesundheitskosten steigen immer höher. Die IV erhält immer mehr Gesuche mit Bezug zur psychischen Gesundheit. Wir sind alle gefordert, unser Möglichstes zu tun, um gesund zu bleiben. Hierbei stehen wir nicht nur in der Pflicht, auf uns selbst zu schauen, sondern auch unsere Mitmenschen einzubeziehen. Gerade in aussichtslosen Situationen kann ein Gespräch helfen.

Die psychische Gesundheit steht im Fokus der Kampagne «Wie geht’s dir?». Mit den auffälligen gelben Bänken soll sie dazu animieren, dass diese Frage ehrlich gestellt und entsprechend auch ehrlich beantwortet werden kann. Sie trägt dazu bei, die psychische Gesundheit erkennbar zu machen. Immer noch haben wir eine dramatische Unterdeckung an Therapieplätzen für Kinder und Jugendliche. Die Wartelisten sind lang und passende professionelle Hilfe oft nicht zeitnah zu bekommen. Die eine Sache ist sicherlich, wirkungsvolle Unterstützung aufzubauen, um Betroffenen Linderung zu verschaffen. Auf der anderen Seite ist es an uns, zu uns selbst Sorge zu tragen, uns zu schätzen und unsere Mitmenschen. Gemeinsam über Sorgen sprechen zu dürfen, ist ein erster Schritt in einen entspannteren Alltag.

In der Politik ist das Thema auf der Agenda. Massnahmen werden umgesetzt, reichen aber leider nicht aus, und die Angebote entstehen in einem bescheidenen Tempo. Präventionskampagnen sind wichtig und wirken. Leider lassen sie sich nur schwer messen. Der Wert eines kurzen Gesprächs über das Befinden ist auch nicht in Zahlen messbar, aber dennoch spürbar. Probieren Sie es aus und fragen Sie bei Gelegenheit Ihr Gegenüber «Wie geht’s dir?».

Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Holger Gurtner, SP Weinland, Gemeinderat Feuerthalen

Die Standorte der Bänkli und weitere Informationen finden Sie unter www.wie-gehts-dir.ch

In die Zukunft blicken, auch beim Älterwerden

Forumsartikel SP Weinland, Andelfinger Zeitung, Ausgabe Fr, 25.10.24

Machen Sie sich gelegentlich Gedanken zur Zukunft? Nicht nur zur Weltlage, sondern zu Ihrer persönlichen Zukunft in fünf bis zehn Jahren? Diejenigen unter uns, die fünfzig oder mehr Jahre alt sind, machen sich vielleicht konkrete Gedanken zur Pensionierung, zum Umgang mit älteren Menschen oder der Betreuung der eigenen Eltern. Und vielleicht wünscht man sich die Weisheit eines lebenserfahrenen Menschen. Selbständig und vital zu sein bis ins hohe Alter, das wünschen wir uns wohl alle. Dazu brauchen wir gute gesellschaftliche Rahmenbedingungen: Mobilität, öffentliche Verkehrsanbindungen, medizinische Versorgung, dem Alter entsprechende Wohnformen, soziale Kontakte, nahe Einkaufsmöglichkeiten usw.

Um solche Fragen dreht sich auch das Projekt „Älterwerden im Weinland“, entwickelt vom Gemeindepräsidentenverband Andelfingen, der dazu ein Versorgungskonzept samt Massnahmenplan erarbeitet hat. Kernstück ist eine gemeindeübergreifende Fachstelle Alter, welche die Bedürfnisse der älteren Menschen koordinieren und umsetzen soll, wie wir vor ein paar Wochen in der Andelfinger Zeitung erfahren haben. Es erscheint mir sehr sinnvoll, wenn sich die Gemeinden hier zusammenschliessen, um das Leben der älteren Generation gemeinsam zu erleichtern und zu verbessern.

Darüber hinaus: Sind Sie – ob nun jünger oder älter – glücklich? Zufrieden? Erik Erikson, ein Psychologe, beschreibt als Aufgabe für die mittlere Altersgruppe, dass man einen Platz in der Gesellschaft findet, einen Beitrag zum Gemeinwohl leistet und nicht stillsteht. Im höheren Alter der Persönlichkeitsentwicklung – diese hört nach Erikson nie auf – beschreibt er, dass für es für ein gelingendes Altwerden zentral sei, eine Ich-Integrität zu erreichen. Darunter versteht er eine Art Bilanzziehen des bisherigen Lebens und sich mit dem eigenen Leben aussöhnen. Dies sei zentral, um zufrieden auf sein Leben zurückblicken zu können, auf ein Leben, das vermutlich mit Erfolgen, Misserfolgen, Trauer, Schmerz, aber auch mit Glück und Gesundheit angereichert ist.

Um zur Eingangsfrage zurückzukommen: Was wünschen Sie sich – für sich selbst oder für Ihre Liebsten? Wohin soll sich Ihr Leben wenden? Auch wenn man körperlich eingeschränkt ist – was ja auch schon in jungen Jahren der Fall sein kann – so kann die Freiheit im Denken und die Freiheit bei kleinen, alltäglichen Handlungen zur eigenen Zufriedenheit beitragen. Weisheit aber ist meines Erachtens etwas, das mit der Lebenserfahrung wächst, bis ins hohe Alter, und ein Verständnis für die Zusammenhänge des Lebens bringt, das uns niemand nehmen kann.

Anita Märki, SP Weinland

Schulinseln als Stärkung der integrativen Schule

Forum Andelfinger Zeitung, Ausgabe vom Freitag, 30. August 2024

Ich schreibe diesen Forums-Artikel nicht ohne besonderen Hintergrund. Als langjähriges Mitglied der kantonsrätlichen Kommission für Bildung und Kultur war ich an der Formulierung der Grundsätze für die integrative Schule im Volksschulgesetz beteiligt. Als aktueller Schulpräsident von Feuerthalen bin ich nun für deren Umsetzung mitverantwortlich und kann deren Wirkungen vor Ort beobachten.

Nach zwei Jahren Schulpräsidium stelle ich auf Grund der Schulbesuche und zahlreicher Gespräche befriedigt fest: Die Integration funktioniert. In unseren Klassenzimmern wird gute Arbeit geleistet. Vielen integrierten Kindern mit besonderen Bedürfnissen geht es in ihren Klassen gut. Die Schüler:innen lernen voneinander, nehmen Rücksicht und arbeiten gut zusammen – nicht immer, aber in aller Regel.

Integration ist aber nicht gratis zu haben. Sie hat ihren Preis. Die Schulpflege Feuerthalen hat vor den Sommerferien für rund 20 Kinder eine integrierte Sonderschulung in der Regelklasse (ISR) beschlossen. Im Schnitt wurden für jedes ISR-Kind neun Lektionen Unterstützung bewilligt. Konkret heisst das, dass den Klassen mit einem integrierten Kind während rund einem Drittel der Unterrichtsstunden Heilpädagogik-, Therapie- und Klassenassistenzlehrpersonen zusätzlich zur Hauptlehrperson zur Verfügung stehen. Sie unterstützen die Schüler:innen mit besonderen Bedürfnissen, stehen aber auch der ganzen Klasse zur Verfügung. Im Schnitt lässt sich unsere Gemeinde jedes ISR-Kind mehr als 37’000 Franken kosten. Zum Vergleich: Ein Platz an einer externen Kleingruppenschule kostet 55’000 Franken pro Kind.

Integration ist anspruchsvoll. Sie setzt voraus, dass alle Beteiligten eng zusammenarbeiten und ihren Einsatz im Alltag koordinieren. Diese Teamarbeit funktioniert in vielen Fällen gut, es gibt hier aber klar noch Verbesserungspotenzial. Die Bildungspolitik sollte mit der Revision des Berufsauftrags die Rahmenbedingungen deutlich verbessern: Die Arbeitszeit, die den Lehrpersonen für den Unterricht angerechnet wird, muss grosszügig erhöht werden.

Die Integration hat Grenzen. Die Integration ist erfolgreich, wenn Kinder mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen in einer Regelklasse gezielt gefördert werden können. Sie stösst dort an Grenzen, wo Kinder – meistens Buben – mit ihrem Verhalten den Unterricht stören, die Aufmerksamkeit der Lehrpersonen für sich allein beanspruchen und konzentriertes Arbeiten schwierig machen. Für diese besonderen Fälle braucht die Schule ein spezifisches Angebot: Solche Kinder müssen einen Ort haben, wo sie sozialpädagogisch betreut zur Ruhe kommen, individuell lernen und eng geführt werden können (Separation auf Zeit im eigenen Schulhaus). In Feuerthalen planen wir dafür fürs kommende Jahr eine sogenannte Schulinsel.

Schulinseln sind eine zukunftstaugliche Weiterentwicklung des integrativen Modells. Der Ruf nach Abschaffung der Integration und nach Rückkehr zur Kleinklassenschule ist dagegen pädagogisch falsch, finanziell für die Schulgemeinden verheerend und geht klar an der gesellschaftlichen Realität vorbei.

Markus Späth, SP, Schulpräsident, Alt-Kantonsrat, Feuerthalen