Ich höre dich

Forumsartikel in der Andelfinger Zeitung, Ausgabe vom 3. Mai 2024

Woran fehlt es in unserer Gesellschaft? Da hat wohl jeder so seine eigenen Vorstellungen. Was dient unserer Gesellschaft? Auch da dürfte die Antwort nicht so einfach sein. Aber gegenseitiges Verständnis gehört ganz sicher dazu.

Gegenseitiges Verständnis, das sei bloss ein anderes Wort für Kapitulation, könnte man denken. Sicher gibt es Grenzen, nicht alles ist akzeptabel. Aber ohne gegenseitiges Verständnis stelle ich mir das Leben einsam vor.

Beruflich bin ich gelegentlich an Konferenzen mit Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Landesteilen. Da gilt die Regel, dass jeder in seiner eigenen Landessprache sprechen kann. Aber wie steht es mit dem Verstehen? Oft ist ein professioneller Dolmetscher mit von der Partie. Ich weigere mich jedoch standhaft, mir diese Ohrstöpsel umzuhängen: Zumindest mit Französisch komme ich ganz leidlich zurecht und auch mit schön gesprochenem Italienisch kann ich umgehen. Selbst wenn es für mich nicht immer ganz leicht ist, finde ich den Verzicht auf den Dolmetscher ein wichtiges Zeichen für meine Freunde aus dem Tessin oder der Romandie: Ich versuche, dich zu verstehen.

Die Schweiz ist eine Willensnation: Wir sind Schweizer, nicht weil wir alle gleich sind, sondern wir sind Schweizer, weil wir uns aus unserer unterschiedlichen Herkunft und unserer unterschiedlichen Kultur Vorteile und neue Impulse erhoffen. Nur zu gut bekannt sind Regimes, in denen die Einheit im Zentrum steht und der Andersdenkende ausgegrenzt und verfolgt wird. Nur im Osten? Nein, auch in den USA, der sogenannt westlichen Leitkultur toben politische Grabenkämpfe. Ich mag gar nicht daran denken, was uns im amerikanischen Wahlkampf noch alles bevorsteht.

Was könnte das gemeinsame Verständnis fördern? Früher hat man Adlige mit Adligen anderer Herrscherhäuser zwangsverheiratet, um den Frieden zu sichern. Würde das heute auch gelingen? Ein Verwandter von Putin und eine Tochter aus dem Hause Selenski. Wäre damit ein rascher Frieden hergestellt? Wohl kaum.

Wie könnte man das gegenseitige Verständnis denn sonst fördern? Zum Beispiel, indem man Menschen, die im Ausland geboren sind, echte Chancen gibt und sie, wie jüngst in Basel geschehen, als Regierungsräte wählt. Und wo kann ich selbst etwas fürs gegenseitige Verständnis tun? Ich hab’s: Weg mit den Ohrstöpseln! Versuchen wir doch, unsere Umgebung im Originalton zu hören und wagen wir, auch mal in einer für uns ungewohnten Landessprache zu antworten. Auch wenn man nicht immer alles bis ins letzte Detail versteht, ist es doch ein wichtiges Zeichen an unsere Mitmenschen: Hey, mein Freund, auch wenn ich mich anstrengen muss versuche ich, dich zu verstehen…

Andreas Jenni, SP Weinland

Herausforderungen zum Ankommen

Forum Andelfinger Zeitung, Ausgabe vom Freitag, 12.01.24

Mit einem neuen Jahr gehen Wünsche und Hoffnungen einher, es besser zu machen, Vorsätze zu kreieren und ihnen zu entsprechen. Alles ist noch so neu und scheint unverbraucht. Beim Neujahrs-Brunch der SP Weinland durften wir am 7. Januar einige neue Gesichter begrüssen. Oft ist die Situation dann etwas speziell, wenn jemand das erste Mal in einer Gruppe von vielen Unbekannten ist. Wie steige ich in ein Gespräch ein? Welche Themen sind von Interesse? Und so weiter. Nicht alle Menschen getrauen sich, gleich Kontakt zu knüpfen und ins Gespräch zu kommen. Neu zu sein und doch dazu zu gehören ist eine herausfordernde Aufgabe. Sie stellt sich einem in vielen Lebenslagen. Ein neuer Job, eine neue Klasse, ein neues Eigenheim im neuen Dorf. Oder aber auch die Flucht in ein neues Land, weil die Heimat aufgrund eines Krieges oder durch Verfolgung keine Perspektiven mehr bietet.

Krieg zerstört Perspektiven

Die Situation in den verschiedenen Kriegsregionen der Welt spitzt sich immer weiter zu. Unlängst hat die russische Regierung ihre Angriffe auf die Ukraine massiv verstärkt und greift nun auch wieder Ziele im Landesinneren an. Auch in Nahost und in den Konfliktregionen Afrikas entflammen die Konflikte zusehends.

Die Zahl der Asylsuchenden in der Schweiz ist auf einem hohen Niveau. Die Tendenz ist weiter steigend. So wurde vom Staatssekretariat SEM kürzlich darüber informiert, dass 2024 erneut 30’000 Asylsuchende zu erwarten sind.

Wir haben uns vor vielen Jahren als Gesellschaft dazu verpflichtet, mit der Annahme der Bundesverfassung, Schutzsuchenden Asyl zu ermöglichen. Der Anspruch auf Asyl wird jeweils geprüft. Längst nicht allen Gesuchen wird stattgegeben. Die geflüchteten Menschen müssen sich in der Fremde zurechtfinden und neue Perspektiven erarbeiten. Dabei sind wir als Gesellschaft in der Pflicht, diese Menschen aufzunehmen und ihnen keine weiteren Steine in den Weg zu legen. Die Betroffenen müssen das neue Umfeld kennenlernen. Dazu gehören die Pflichten, welche sie zu beachten haben. An der Gesellschaft ist es, ihnen auch die Rechte zu gewähren, welche ihnen in ihrer Heimat auf unwürdigste Weise verwehrt bleiben.

Jede Gemeinde im Kanton Zürich ist verpflichtet, ihr Kontingent von 1.3% der Einwohnerzahl an Hilfesuchenden zu erfüllen. Dies ist für viele Gemeinden eine grosse Schwierigkeit, da der Wohnraum knapp ist. Weil das Weinland sehr weitläufig ist und viele Gemeinden sehr klein sind, ist die Stadt Winterthur durch die Gemeinden beauftragt worden, die Asylkoordination des Weinlands zu erfüllen. Diese Zusammenarbeit ermöglicht eine zentrale Koordination und entlastet die Gemeinden in der Administration. Das Leben findet in den Gemeinden statt. Mich freut es zu sehen, dass Menschen auf der Flucht hier im Weinland Schutz finden und ein grosser Wille der Bevölkerung vorhanden ist, diese Herausforderung zu bewältigen.

Holger Gurtner, Gemeinderat Feuerthalen Mitglied der AG Asyl des Bezirks Andelfingen

Ist die schulische Integration gescheitert?

Die Diskussion schlägt momentan hohe Wellen: Die Kleinklassen müssen wieder eingeführt werden, separierter Unterricht ist nötig, die Integration ist gescheitert! Nun sind die Probleme, die bei der Integration von Problemschülern in die Regelklassen auftreten, nicht zu übersehen. Und wer, wie ich selbst, dies als Lehrer hautnah erlebt hat, weiss, dass massive Schwierigkeiten in der Klasse resultieren können und auch erfahrene Lehrkräfte daran scheitern können, mit gravierenden Folgen für ihre beruflichen Kompetenzen. Da wird es sicher vernünftig sein, eine zeitweise Umteilung ins Auge zu fassen, damit sich die Situation beruhigen kann. Nur: Das darf nicht zur bequemen Regel werden. Die oder der fällt auf: Ab in die Klein- oder ehrlicher Spezialklasse!

Die Integration ist ein Ziel, das weiterverfolgt werden muss, weil es für unsere Gesellschaft extrem wichtig ist. Nur schon die Möglichkeit für die «normalen» Schüler:innen in der Klasse, mit behinderten oder schwierigen Mitschüler:innen zusammenzuleben, einen Weg zu finden, wie sie mit ihnen zusammen arbeiten können, ist gerade für diese «Normalos» eine wichtige Erfahrung. Wir sind uns gewohnt, dass die Behinderten, die Schwierigen, die Alten und auch der Tod kaschiert, in speziellen Institutionen untergebracht und damit für uns weitgehend unsichtbar sind. Aber gerade Erfahrungen mit Menschen, die anders sind, können Kinder und Jugendliche prägen und reifen lassen. Und natürlich profitieren die Kinder, die früher in Kleinklassen separiert wurden, wenn sie nicht ausgeschlossen, in eine «Spezialklasse» abgeschoben werden. Diese Abgeschobenen laufen nur zu leicht in die Falle von Rechtsextremismus, Gewalt oder Kriminalität, um ihr angeschlagenes Selbstbild aufzupolieren, und, nebenbei gesagt, mit grossen Kosten für unsere Gesellschaft.

Aber was braucht nun eine Lehrkraft, die in einer grossen Klasse vor Problemen mit Kindern stehen, die spezielle Betreuung benötigen? Sie braucht eine kleinere Klasse, sie braucht Unterstützung im Unterricht von kompetenten, gut ausgebildeten Pädagogen, sie braucht ein grosses Klassenzimmer mit einem Nebenraum, denn nur schon Abstand kann einen Konflikt beruhigen. All das kostet, und die Bürgerlichen werden dies bekämpfen. Aber es führt kein Weg daran vorbei: Für eine gelungene Integration sind Ressourcen nötig, wir dürfen die Lehrkräfte nicht mit dieser Aufgabe allein lassen. Gute Bildung kostet! Am nächsten Wochenende haben wir es in der Hand, mit dem Wahlzettel die Weichen richtig zu stellen.

Jürg Keller, SP Weinland

Noch drei statt sechs Zonen und ein «Weinland»-Ticket

Artikel in der Andelfinger Zeitung, Ausgabe vom 16.12.22 über ein Postulat von Sibylle Jüttner (SP, Andelfingen), Paul Mayer (SVP, Marthalen) und Konrad Langhart (Mitte, Stammheim)

Wer im ganzen Kanton Zürich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein will, muss acht Zonen kaufen. Allein das Weinland macht sechs Zonen aus – da stimmt etwas nicht, findet eine Kantonsrätin.

Für die Bahnfahrt von Dachsen nach Winterthur brauchen Reisende ein Billett mit sechs Zonen – 116, 115, 161, 160 und 120, die doppelt zählt. Soll es zum Flughafen gehen, kommen 122 und 121 dazu, womit es acht sind. Mehr geht gar nicht. «Ergeben Ihr ZVV-Ticket plus Ihr Anschlussbillett insgesamt acht Zonen, sind Sie zur freien Fahrt im ganzen ZVV berechtigt», heisst es auf dessen Website. Aber weniger ginge, findet Sibylle Jüttner (SP, Andelfingen).
Die Kantonsrätin hat mit ihren Weinländer Kollegen Paul Mayer (SVP, Marthalen) und Konrad Langhart (Mitte, Stammheim) ein Postulat eingereicht, die Tarifzonen im Weinland zu halbieren und ein «Weinlandticket» einzuführen. Der öffentliche Verkehr sei im Bezirk unverhältnismässig teuer, schreibt sie. Wegen der schlechten Anbindungen ans Bahnnetz müssten Reisende zusätzliche Zonen erwerben.

Buch am Irchel–Rheinau: 5 Zonen

Im Weinland sind es sechs Zonen. Das Flaachtal (124) und das Stammertal (162) haben eigene, Andelfingen, Kleinandelfingen, Ossingen und Truttikon teilen sich eine (161), ebenso Hettlingen, Henggart, Humlikon und Thalheim Altikon (160), Marthalen mit Benken,
Rheinau und Trüllikon (115) sowie Dachsen, Schloss Laufen und Feuerthalen (116). Für die 10,4 Kilometer Luftlinie von Buch am Irchel nach Rheinau, so Sibylle Jüttner, werden also bis fünf Zonen durchfahren, und es muss gleich viel bezahlt werden wie von Zürich HB
nach Wädenswil, was doppelt so weit ist, aber nicht mal halb so lange dauert. Oder für den ganzen Bezirk Horgen, wo mit fünf Zonen 125 000 Einwohnende versorgt werden und nicht bloss 32 000 wie im Weinland, das mit sechs Zonen «überdimensioniert» ist.
Wenn die Strecke Buch am Irchel-Rheinau schon 1 Stunde 11 Minuten dauert, weil nicht direkt und bloss mit Umsteigen machbar, wäre «eine Reduktion des Fahrpreises ein erster
wichtiger Schritt zu einer Steigerung der Attraktivität des ÖV», finden die Postulantin und die Postulanten. Zudem seien viele Regionen nicht optimal erschlossen, was noch positiv ausgedrückt sei. Vielerorts fehlt nach 20 Uhr und an Wochenenden der Anschluss.
Sibylle Jüttner lädt den Regierungsrat ein, die Tarifzonen im Weinland auf noch drei zu halbieren. Zudem soll er sich Gedanken über ein «Weinlandticket» machen, um ein günstigeres Reisen zum grössten Wasserfall Europas zu ermöglichen. Gemäss der Förderorganisation Pro Weinland wäre das auch im Interesse der Stadt Winterthur,
weiss sie. Und im Sinne des nachhaltigen Tourismus «auch im Interesse des ganzen Kantons», ist sie überzeugt.

Feuerthalen nicht im ZVV-Gebiet

Einen anderen Punkt in ähnlicher Angelegenheit hat Kantonsratskandidat Holger Gurtner (Feuerthalen) angesprochen. Sein Wohnort hat einen Bahnhof, der aber nicht im ZVV-Gebiet liegt. Reisende Richtung Winterthur/ Zürich der einwohnerstärksten Gemeinde im Bezirk können wählen: den schnelleren, aber teureren Weg über Schaffhausen oder innerhalb der Zonen mit dem Postauto über Marthalen. Im Gegensatz zu den Schwyzer Gemeinden Bäch und Pfäffikon oder Rapperswil SG gehören Neuhausen und Schaffhausen nicht zum Gebiet des Zürcher Verkehrsverbunds. Ideen für ein interkantonales Ticket seien noch nicht konkretisiert, sagt Sibylle Jüttner.

Nach dem Standortentscheid der Nagra

SP-Forumsartikel der Andelfinger Zeitung, Ausgabe Freitag, 19.10.2022

Nach dem überraschenden Standortvorschlag der Nagra am 12. September, das Atommülllager in der Region Nördlich Lägern bauen zu wollen, haben sich nach den grossen Schlagzeilen die Wellen ein wenig geglättet. Im Weinland sind viele Menschen erleichtert, das Atommülllager nun doch nicht direkt vor der eigenen Haustüre zu bekommen. Vor allem die betroffenen Bauernfamilien und Grundeigentümer haben aufgeatmet. Das kann ich gut verstehen. Aber richtig freuen kann ich mich über den Entscheid nicht. Ob es uns gefällt oder nicht: Betroffen sind wir auch im Weinland nach wie vor. Das Endlager wird in unserem Kanton gebaut, nicht so weit von uns entfernt.

In den vergangenen Wochen wurde ich oft darauf angesprochen, wie es denn nun in Sachen Widerstand weitergehe. Die SP hat ihre Position zum Standortentscheid im September deutlich dargelegt, genauso wie der Verein KLAR! SCHWEIZ. Der Sachplan geologisches Tiefenlager folgt einem strikt politischen Fahrplan und nimmt keine Rücksicht auf ungeklärte Sicherheitsfragen. Der Standortentscheid wurde gefällt, bevor wesentliche technische Probleme gelöst sind.

Ungeklärt bleibt der Schutz des Tiefengrundwassers oder mögliche Erdgasvorkommen, die den Bau eines Atommülllagers in Frage stellen könnten. Ungeklärt bleibt die grosse Frage der Rückholbarkeit. Damit das Tiefenlager akzeptiert wird, braucht es eine Lösung, wie der eingelagerte Atommüll wieder zurückgeholt werden kann, z. B. für den Fall, dass neue Verfahren entwickelt werden, welche die Gefährlichkeit des Atommülls reduzieren können.

Die SP verlangt auf kantonaler Ebene, dass der Regierungsrat in einer Studie die Auswirkungen des Entscheids auf Gesellschaft und Wirtschaft untersuchen lässt und die betroffenen Gemeinden bei der Ausgestaltung der Studie mitbestimmen können. Die Bevölkerung in der Region Nördlich Lägern übernimmt für die Schweiz eine sehr grosse Last. Sie hat ein Anrecht darauf, dass auch die letzten Zweifel ausgeräumt und Alternativen weiter geprüft werden, bevor es zum Bau eines Atommülllagers kommt.

Jedenfalls werden wir uns im Prozess, der noch viele Jahre andauert, gemeinsam mit den Widerstandsorganisationen weiterhin kritisch einmischen. Nagra, BFE und Ensi müssen die offenen Fragen beantworten. Und ganz oben auf der Liste steht für uns – entgegen den Bemühungen anderer Kreise – der definitive Ausstieg aus der Atomenergie.

Käthi Furrer, Co-Präsidentin SP Weinland

«Das Beste war, die Bevölkerung als starke Gemeinschaft zu erleben.»

Karin Eigenheer, Gemeinderätin in Rheinau, tritt im kommenden Frühling nach acht Jahren zurück. In den Nullerjahren war Karin Eigenheer bereits zwei Amtsdauern lang Mitglied der RPK. Für einmal erscheint dieser Forumsbeitrag als Interview. Die Fragen zur Rückschau stellte Käthi Furrer, Co-Präsidentin der SP Weinland.

Welches sind deine Ressorts?

Ich bin verantwortlich für Soziales, Gesundheit und Kultur. Das Sozialreferat beinhaltet die Sozialhilfe mit den Bereichen Vormundschaften, Kesb, Asylwesen sowie ausserschulische Tagesstrukturen für Kinder, Jugendtreff und Jugendkommission Auf der anderen Seite des Altersspektrums betreue ich alles um das Thema Alter. Ausserdem bin ich zuständig für Bestattungen und den Friedhof.

Im Gesundheitswesen bin ich verantwortlich für die Arbeit im Zweckverband, welcher die Pflege und Betreuung im Zentrum für Seniorinnen und Senioren in Marthalen organisiert. Unter dem gleichen Dach ist neu auch die Spitex untergebracht. Ins Ressort Gesundheit fällt auch alles, was mit Gastgewerbe und Verkauf zu tun hat. Im Kulturbereich unterstehen mir die Dokumentationsstelle, der Tourismus und das Museum Rheinau. Mit alldem geht für mich eine spannende und erfüllende Zeit zu Ende.

Welche wichtigen Projekte haben Rheinau in deiner Amtszeit beschäftigt?

Eins davon war sicher die Aufwertung der Klosterinsel und des gesamten Klosterquartiers, wofür es einen Gestaltungsplan samt Mauerdruchbruch brauchte. Dieses erfolgreiche Projekt hat uns und den Kanton lange beschäftigt.

Erwähnenswert scheinen mir weiter der Neubau der «Poststrasse 25», ein gemeindeeigenes Gebäude mit sieben Mietwohnungen, sowie die Sanierung des «Doktorhauses», ebenfalls eine Liegenschaft mit erschwinglichen Mietwohnungen an zentraler Lage. Beides ist gut gelungen und trug dazu bei, dass unser Dorf nach wie vor eine Hausarztpraxis hat, gemeinschaftlich geführt von zwei bewährten Hausärzten.

Wobei hast du mitgewirkt? Worauf bist du stolz?

Wir hatten in Rheinau zweimal eine Erbschaft zu bearbeiten. Dabei ging es beide Male um Häuser, welche der Gemeinde von privater Seite zufielen. Meine Aufgabe war vor allem die aufwändige Sichtung und Räumung der Liegenschaften und deren Instandsetzung, so dass wir die Häuser am Ende gut verkaufen konnten. Aus den Erlösen haben wir Fonds gegründet, deren Verwendungszweck besonderen sozialen und kulturellen Projekten zu Gute kommt.

Gab es Geschäfte, die auch die Region betrafen?

Seit Jahren beschäftigt uns die Atommüllentsorgung. Rheinau gehört zu den betroffenen Gemeinden, namentlich bei einer Oberflächenanlage, falls das Endlager ins Weinland kommt. Unser Präsident ist bekanntlich in den Gremien der Regionalkonferenz vertreten und daher an vorderster Front mit dabei. Er orientiert Behörden und Gemeinde regelmässig über den Stand des Geschehens. Rheinau steht dem Projekt bzw. den allfäligen Belastungen kritisch gegenüber.

Welches waren Höhepunkte?

Das Beste für mich waren die guten Gefühle und Wahrnehmungen, wenn ich die Bevölkerung als starke Gemeinschaft erlebt habe, die am gleichen Strang zog. Das war beim Versuch mit dem Grundeinkommen der Fall. Oder bei der Corona-Pandemie, wo sich viele Leute aus dem Dorf seit der ersten Welle für Hilfs- und Nachbarschaftsdienste zur Verfügung stellten. Diese gelebte Solidarität zu sehen und war sehr eindrücklich.

Wie war die Zusammenarbeit im Behördenteam?

Wir sind ein sehr kollegiales Team, und ich glaube, genau dies wird mir am meisten fehlen. Die konstruktive Arbeit, das gegenseitige Vertrauen und der gute Umgang miteinander waren toll, auch das Feierabendbier im «Buck» nach den Sitzungen.

Deine Kontakte mit der Bevölkerung?

Ich habe viele vertrauensvolle Gespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern geführt und fühlte mich breit akzeptiert. Auch wenn ich nicht immer auf alle Fragen antworten konnte oder durfte, waren diese direkten Kontakte sehr wertvoll.

Konntest du deine Rolle als SP-Vertreterin wahrnehmen?

Ja, sicher. Bei der Gewichtung von sozialen Belangen, aber auch, wenn es um den schonenden Umgang mit Umwelt und Natur ging, habe ich bewusst meinen Einfluss im Kollegium geltend gemacht. Spielraum, den ich nutzen konnte, gab es immer wieder.

Warum trittst du zurück?

Verleidet ist es mir nicht, aber ich will jetzt Platz machen für neue Leute mit frischen Ideen. Zudem möchte nach den vielen Jahren in zwei Behörden wieder mehr Zeit für mein Privatleben haben, z. B. für meinen kleinen, einjährigen Enkel.

Was legst du deiner Nachfolgerin oder deinem Nachfolger ans Herz?

Ratschläge brauche ich keine zu erteilen, aber ich fände es schön, wenn Frauen nachfolgen würden. Für eine sorgfältige Übergabe stehe ich gerne zur Verfügung.

Was wünschst du Rheinau für die Zukunft?

Ich wünsche Rheinau einen sanften Tourismus rund um das Kloster, welcher die Gemeinde aufwertet, den es aber auch verkraften kann. Und ich wünsche uns weiterhin eine engagierte Bevölkerung, die mitdenkt und sich einbringt.

Käthi Furrer, Co-Präsidentin der SP Weinland, Artikel „Forum Andelfinger Zeitung“, Ausgabe vom Freitag, 12.11.21

PDF Andelfinger Zeitung, Ausgabe 12.11.21, Seite 13 (der Link öffnet das PDF in einem neuen Tab)

Die SP Weinland setzt Themen im Bezirk

Forum Andelfinger Zeitung, Ausgabe vom Freitag, 10.09.21

Die SP Weinland bearbeitet in ihrem Jahresprogramm – sozusagen auf der to-do-Liste – aktuelle Themen in unserer Region. Die vergangenen Monate haben wir genutzt, um uns vertieft mit drei Schwerpunkten zu befassen und haben dazu Arbeitsgruppen eingesetzt, welche die Themen aufbereiten. Alle drei Schwerpunkte sind gesellschaftspolitisch für das Weinland von Bedeutung und verlangen nach Lösungen.

Atommüll

Kurz vor den Sommerferien haben die SP-Mitglieder an der GV ein Positionspapier gutgeheissen. Unter dem Titel «Für eine sichere Entsorgung des Atommülls nach dem Ausstieg aus der Nuklearenergie» ist in 10 Punkten festgehalten, welche Forderungen die SP zum Ensorgungsprozess aktuell stellt und wo sie, im Titel angedeutet, auch die Grenzen der Mitwirkung sieht. Beim Papier solls aber nicht bleiben. Am vergangenen Samstagnachmittag radelte eine Schar von Mitgliedern und Interessierten während einiger Stunden durchs Weinland, besichtigte und diskutierte mehrere Areale in Feld und Wald, wo eine Oberflächenanlage – Gegenstand der regionalen Mitsprache – dereinst gebaut werden könnte. Ein Entscheid, der schon bald ansteht.

Kinderbetreuung

Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine gut ausgebaute familienergänzende Kinderbetreuung unerlässlich. Familien, die auf zwei Einkommen angewiesen sind, oder weibliche Fachkräfte, die ihren erlernten Beruf ausüben möchten, brauchen zuverlässige Betreuungsangebote. Zu diesem Thema starteten wir eine Umfrage in den Gemeinden, um den Überblick über die Tageststrukturen für Kinder und Jugendliche im Bezirk zu erhalten. Auch hier will die SP ihre Haltung klarmachen und konstruktiv dazu beitragen, dass Lücken gefüllt werden und allen Familien mit Bedarf eine bezahlbare Betreuung für ihre Kinder zur Verfügung steht.

Verkehr, Siedlung, Wohnen im Alter

Ein komplexes Thema. Diese Arbeitsgruppe widmet sich den zusammenhängenden Aspekten. So geht es beispielsweise ums Alters- oder Generationenwohnen, ein Bedürfnis, welches vielen älter werdenden Menschen entgegenkommt. Im Bezirk gibt es bereits gelungene oder in Planung stehende genossenschaftliche Projekte, u. a. in Feuerthalen, Dachsen, Rudolfingen und im Stammertal. Dafür gilt es auch den öffentlichen Verkehr und die Raumplanung zu optimieren. Hier sind Recherchen, Veranstaltungen und politische Vorstösse in Arbeit.

Zu gegebener Zeit werden wir in der Andelfinger Zeitung gerne wieder über den Stand der Dinge informieren.

Käthi Furrer, Dachsen, Co-Präsidentin SP Weinland

Velotour Atommüll: Wohin mit der Oberflächenanlage?

Medienmitteilung der SP Weinland

Die Nagra wird in rund einem Jahr, voraussichtlich im September 2022, dem Bundesrat einen Vorschlag für den Standort des geplanten Atommülllagers bzw. der entsprechenden Oberflächenanlage unterbreiten. Das Weinland steht für die Nagra bekanntlich dabei weit oben auf der «Hit-Liste».

Schon sehr bald, nämlich Ende 2021, endet die Frist, in der die Regionalkonfe-renz Zürich Nordost und ihre Gremien sowie die interessierte Öffentlichkeit ihre Meinungen und Empfehlungen darüber äussern können, welcher der möglichen Standorte für eine Oberflächenanlage zu favorisieren ist. Diese Standorte sind übrigens nicht zu verwechseln mit den derzeitigen Bohrstellen für die Probe-bohrungen im Opalinuston. Diese sind in einem Umkreis um die in Frage kom-menden Orte für ein Tiefenlager postiert.

Vor dieser Ausgangslage hat die SP Weinland am vergangenen Samstagnach-mittag ihre Mitglieder zu einer Velotour «Atommüll in vier Gängen» eingeladen. Die Vorbereitungsgruppe, bestehend aus Markus Späth, Andreas Jenni und Peter Weiller, hat eine Schar von Interessierten während einiger Stunden und bei strahlendem Sonnenschein durchs Weinland geführt. Dabei wurden mehrere Areale in Feld und Wald besichtigt, wo eine Oberflächenanlage – Gegenstand der regionalen Mitsprache – dereinst gebaut werden könnte.

Bei jeder Station wurde der Standort, auch für Laien verständlich, aus erster Hand erklärt, die Vor- und Nachteile eines Gebietes abgewogen. Dabei kamen verschiedene Kriterien zur Sprache. Übergeordnet ging es um die Frage, welcher Standort am wenigsten Schaden anrichtet. Wie präsentiert sich das Areal in seinen Ausmassen, was bedeutet das für den Bau? Wie steht es mit der Beeinträchtigung der Landschaft, von wo aus würde man die Anlage sehen? Ist es überhaupt wünschenswert, sie möglichst zu verbergen? Wie sind die Anschlüsse zu Eisenbahn und Strassen zu bewerkstelligen? Und gibt es unter dem Gebiet Grundwasservorkommen, die betroffen sein würden? Diese und viele andere Fragen wurden lebhaft diskutiert und beantwortet.

Bei jeder Station wurde den Teilnehmenden nach der inhaltlichen Debatte ein kulinarischer Gang serviert, von der Vorspeise über Suppe und Hauptgang bis zum Dessert, damit die zahlreichen Informationen auch gut verträglich waren. Die Velofahrerinnen und -fahrer kehrten am Abend nach der Polit-Tour angeregt und bestens verpflegt nach Hause.

Käthi Furrer, Co-Präsidentin SP Weinland

Für eine sichere Entsorgung des Atommülls nach dem Ausstieg aus der Nuklearenergie

Die SP Weinland hat an ihrem Parteitag ein Positionspapier „Atommüll“ mit folgenden Punkten beschlossen (gekürzt).

  • Für den in der Schweiz angehäuften Atommüll und seine sichere Entsorgung in der Schweiz tragen wir alle Verantwortung.
  • Die SP Weinland ist dezidiert der Meinung, dass die Entsorgungsaufgabe erst dann wirklich gelöst werden kann, wenn der Zeitpunkt für die Abschaltung aller Atomkraftwerke definitiv festgelegt ist.
  • Nur die sicherste und beste Lösung ist gut genug. Es ist von einem umfassenden Sicherheitsbegriff auszugehen, der das Wirtsgestein ebenso umfasst wie die gesamten ober- und unterirdischen Transportwege.
  • Die SP Weinland wird ein Atommüll-Tiefenlager im Weinland nur tolerieren, wenn sich am Ende des Sachplanverfahrens wissenschaftlich nachweisen lässt, dass unsere Region dafür klar am geeignetsten ist. In Übereinstimmung mit der Zürcher Baudirektion werden wir uns aber mit allen legalen Mitteln dagegen wehren, dass im Weinland eine Brennelement-Verpackungsanlage errichtet wird.
  • Unabhängige Expertenstudien müssen zwingend beigezogen werden, um die Empfehlungen der NAGRA an die politischen Behörden zu überprüfen.
  • Der Bundesrat hat dafür zu sorgen, dass auch in Etappe 3 des Sachplanverfahrens bei sämtlichen in der Evaluation befindlichen Standorten die gleiche Forschungstiefe erreicht wird und die Mitwirkung der Bevölkerung über die Etappe 3 hinaus gewährleistet ist.
  • Die NAGRA garantiert als von der Atomindustrie abhängige und finanzierte Institution keine ausreichende Gewähr für das Primat der Sicherheit. Sie ist neu entweder direkt dem Bund zu unterstellen oder durch eine unabhängige Institution ohne wirtschaftliche Interessenkonflikte zu ersetzen. Auf jeden Fall soll die Institution dem Öffentlichkeitsprinzips unterstellt werden.
  • Der «Sachplan geologische Tiefenlagerung zwingt die Regionen unter grossem Zeitdruck, über den genauen Standort der Oberflächenanlagen zu befinden, bevor die Platzierung des eigentlichen Tiefenlagers bekannt ist. Die SP Weinland behält sich deshalb vor, in der weiteren Folge des Sachplanverfahrens jederzeit auf die provisorischen Vorentscheidungen in den Regionalkonferenzen zurückzukommen.
  • Die Finanzierung der Atommüll-Entsorgung durch die AKW-Betreiber muss sämtliche Kosten für Planung, Bau, Betrieb, Rückholung, Überwachung über die Verschlussphase hinaus sowie für die Abgeltungen und Entschädigungen der Standortregion berücksichtigen. Sie darf nicht zu Lasten der Steuerzahlenden gehen.
  • Das Sachplanverfahren darf unter keinen Umständen den Weg für innovative Alternativen zur Tiefenlagerung verbauen. Die Rückholbarkeit des Atommülls muss technisch und finanziell deshalb so lange wie möglich sichergestellt werden.

Peter S. Weiller, SP Weinland