Dabei sein ist alles. Oder doch mehr?

SP-Forumsartikel für die Ausgabe der Andelfinger Zeitung vom 20.02.26

Die olympischen Spiele sind schon bald wieder Geschichte. Der Kampf um Medaillen und Diplome erfordert von uns Zuschauenden enorme Aufmerksamkeit. Den Überblick zu behalten ist mitunter anspruchsvoll. Die Sportarten sind vielfältig, und es ist für alle eine Spielart dabei, welcher man zugeneigt ist. Die Schweizer Athletinnen und Athleten sind auf Kurs, gewinnen Gold, Silber und Bronze, und auch sonst sind die Verhältnisse in der Schweizer Delegation positiv zu bewerten. Mit geeinten Kräften und viel Motivation sind sie vor Ort und geben ihr Bestes. Dabei sein ist alles für sie.

Übertragen auf das Alltagsleben in unserem Bezirk, sehe ich durchaus Parallelen. Hier sind auch ganz viele Menschen aktiv und geben ihr Bestes für sich selbst, ihr Team und ebenso für andere. Die verschiedensten Vereine ermöglichen ihren Mitgliedern, ihren Hobbys und Interessen nachzugehen. Ohne deshalb Einschränkungen oder Nachteile erfahren zu müssen. Sie dürfen sogar, im Gegensatz zu den Sportlerinnen und Sportlern, ihre Kleidung frei wählen, während bei Olympia strikte Werbeverbote gelten. Wenn ich in der Andelfinger Zeitung lese, dass der zweitletzte Männerchor des Weinlandes sich auflöse, erfüllt mich das mit Bedauern. Hingegen ist in derselben Ausgabe der Zeitung ein Bericht von einer Stabsübergabe in einer Musikgesellschaft zu lesen. Dort geht es weiter. Ein neuer «Athlet» übernimmt die Spitze und bringt neue Impulse ein. Dieses Beispiel von Veränderung und Ablösung ist eines von vielen, welches sich regelmässig wiederholt, im Weinland und anderswo in der Schweiz.

Auch bei den olympischen Spielen gab und gibt es immer wieder Neuerungen. So war das Skiballett nur einmal Teil der Spiele (1992). Hingegen kam in Nagano 1998 das Snowboarden hinzu und ist seither nicht mehr wegzudenken (in Erinnerung auch hier die erste Goldmedaille eines Schweizers in der Halfpipe). Andere Sportarten wie der Eiskunstlauf sind seit Beginn der Winterspiele im Programm. Zu ihrer Zeit brillierte Denise Biellmann mit einem Programm, welches bei heutigen Massstäben vermutlich keine vordere Platzierung eingebracht hätte.

So erleben wir neben dem Beständigen stetige Veränderungen. Diese sind meist dem Zeitgeist geschuldet, auch Traditionen sind einem Wandel ausgesetzt. Wir entwickeln unsere Lebensrealität ständig weiter, sind Teil des Ganzen und mehr als nur dabei.

Holger Gurtner, SP Weinland

Erfolgsgeschichten der SP-Weinland

Die Arbeitsgruppe «Erfolgsgeschichten der SP Weinland», bestehend aus Fabrizio Boeniger, Käthi Furrer, Peter Kissling und Thomas Röhren, hatte sich 2021 zum Ziel gesetzt, Erfolge der SP zusammenzutragen, sichtbar zu machen und sie in den grösseren Zusammenhang der Werte und Ziele der Sozialdemokratie zu stellen.

Um möglichst viel Material zu sammeln, haben wir im Oktober 2021 eine Umfrage an unsere Mitglieder geschickt und sie gebeten, uns bei der Suche nach kleinen und grossen Erfolgsgeschichten zu unterstützen, worauf einige Beiträge eingegangen sind.
Die schriftlichen Schilderungen und prägnanten Bilder stellen jeweils eine Erfolgsgeschichte anschaulich und verständlich dar.

Grundstock für die Illustrationen der historischen Teile bilden Plakate aus der Geschichte der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie. Viele davon sind bei der Stiftung SP Bildung als Dateien erhältlich.

Wir möchten mit dieser Broschüre der «internen Öffentlichkeit» – das heisst unseren Mitgliedern und Sympis – vermitteln, dass sich die SP seit über 100 Jahren für unsere Mitbürger:innen einsetzt.
Wir zeigen damit auch, wann und wie sich unsere Partei auch auf lokaler Ebene zu einem Thema hervorgetan hat, was sie in Politik und Gesellschaft erreicht hat.

Viel Freude beim Blättern durch unsere Erfolgsgeschichten.
Käthi Furrer

Lesen Sie noch Nachrichten?

SP-Forumsartikel für die Ausgabe der Andelfinger Zeitung vom 12.12.25

Ist es wahr, dass immer mehr Leute Nachrichten verweigern? 46 Prozent, so gross sei der Anteil der Bevölkerung, der darauf verzichte, Nachrichten aus verlässlichen Quellen zu lesen, zu hören oder zu sehen. Diese Studie des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft wurde von SRF Ende Oktober der Öffentlichkeit unter dem Begriff Nachrichtenverzicht (News Deprivation) präsentiert. Vielleicht trifft Nachrichtenvermeidung (News Avoidance) die Tatsache eher.

Auch ohne Studie ist es klar, dass sich das Verhalten Medien und Nachrichten gegenüber verändert hat. Journalistische Nachrichten in Fernsehen, Radio und Zeitungen werden durch soziale Medien ergänzt. Oder man setzt ganz auf soziale Medien.

Warum verzichtet man auf Nachrichten? Viele Leute haben die nicht enden wollenden negativen Nachrichten von Krisen, Skandalen und Katastrophen satt. Sie verzichten auf eine faktenbasierte Information, weil sie die negativen Nachrichten nicht ertragen, oder weil sie von deren Menge und Komplexität überfordert sind. Sie hängen zwar den ganzen Tag am Handy und konsumieren Medien, aber halt immer weniger Nachrichten. Man schaut lieber eine Netflix-Serie als eine News-Sendung und konsumiert in unserer von Social Media überfluteten Welt lieber unterhaltsame oder sensationelle Nachrichten. Das ist weniger anstrengend. Damit wird es zu einer Herausforderung, zwischen journalistischer Quelle, Falschmeldungen und Influencern, zwischen Tatsachen und Meinungen zu unterscheiden.

Gemäss der Studie beteiligen sich Nachrichten-Abstinenzler weniger am demokratischen Prozess. Sie gehen weniger abstimmen und haben weniger Vertrauen in die Politik und in die Medien. Andere lassen sich durch die vereinfachte emotionale Stimmungsmache von Social Media leicht manipulieren.

Was kann man da tun? Ein Lösungsansatz liegt wie immer auf der Hand: Die Schule soll nebst all den anderen Aufgaben die Medienkompetenz und die Staatskunde fördern. Aber lernt man nicht zuhause Werte und Haltungen, die später in der Schule, im öffentlichen Leben und im Beruf Bestand haben?

Das würde bedeuten, dass man Qualitätsmedien abonniert (z. B. öffentlich-rechtliche Angebote, etablierte Zeitungen, lokale Zeitungen) und dass man die Nachrichten mit anderen diskutiert (Freunde, Familie). Das fördert Verständnis und Einordnung. Wir müssen uns selbst an der Nase nehmen, selbst denken, selbst nachforschen und kritisch hinterfragen.

Wie immer Sie sich informieren, vertrauen Sie verlässlichen Quellen und tappen Sie nicht in die Falle von Fake-News, Stimmungs- und Meinungsmache!

Anita Fleury, SP Weinland

Die grosse Angst vor Tempo 30

SP-Forumsartikel für die Ausgabe der Andelfinger Zeitung vom 17.10.25

Vor dem Ortseingang von Benken steht, wenn man von Uhwiesen her einfährt, eine 60er Tafel. Keine 100 m weiter abwärts folgt die Tafel für Tempo 50. Diese hätte man sich sparen können, wäre auf der ersten Tafel bereits Tempo 50 signalisiert. Noch extremer ist die Situation bei der Einfahrt Trüllikon von Westen her: zuerst Tempo 50, nach nur 30 m folgt Tempo 40. Es scheint den zuständigen Beamten des Kantons extrem wichtig zu sein, dass man auf diesen paar Metern noch 10 km/h schneller fahren darf.

Noch deutlicher aber wird dieses Beharren auf möglichst hohem Tempo beim Projekt der Ortseinfahrt Ossingen, über die in der Andelfinger-Zeitung Mitte September berichtet wurde. Der Kanton plant dort eine Mittelinsel zur Verkehrsberuhigung, wobei immer noch Tempo 50 gelten würde. Weil die Strasse recht eng ist, müssen auf beiden Seiten die schönen Vorgärten verkleinert werden, die das schützenswerte Ortsbild prägen. Bevölkerung und Gemeinderat schlagen eine einfache Lösung vor: Die bestehende Tempo-30-Zone sollte in diesen Bereich vorgezogen werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die angestrebte Verkehrsberuhigung tritt ein, die Sicherheit wird verbessert, die Lärmbelastung sinkt, und nicht zuletzt: Die Kosten dürften einen Bruchteil der Kantonslösung betragen. Aber der Kanton macht da bis jetzt nicht mit.

Ich frage mich: Woher kommt es, dass autofreundliche Kreise Tempo 30 fürchten wie der Teufel das Weihwasser? Verkehrsminister Rösti hat sogar eine Verordnung ausgeheckt, die es den Städten und Gemeinden stark erschweren soll, Tempo 30 einzuführen. Weil eine Verordnung nicht dem Referendum unterstellt ist, soll das Stimmvolk nichts dazu zu sagen haben. Wo bleiben da die demokratischen Volksrechte, die die SVP doch immer so hochhält?

Dabei haben Pilotversuche, z. B. in Aaraus stark befahrener Bahnhofstrasse, gezeigt, welches die Vorteile von Tempo 30 sind: Stark verbesserte Verkehrssicherheit, sinkender Lärmpegel, und – in krassem Gegensatz zu den Befürchtungen der Gegner – eine Verbesserung des Verkehrsflusses.

Warum also dieser Abwehrreflex gegen Tempo 30? Wenn überhaupt Zeitverluste eintreten, dürften sie sich gerade auf städtischen Strecken im Sekundenbereich bewegen. Auch wird beklagt, dass der öffentliche Verkehr behindert werden könnte. Werden sich die Leute, die dieses Argument vorbringen, bei den nächsten Vorlagen auch so vehement für den ÖV einsetzen?

Ich jedenfalls hoffe, dass der Ausbau von Tempo 30 nicht behindert wird. Denn in einem Punkt sind wir uns hoffentlich alle einig: Jedes Unfallopfer ist eines zu viel. Tempo 30 hilft, sie zu vermeiden.

Jürg Keller, SP Weinland

Schulsozialarbeit – eine wichtige Stütze für die Schulen

Forumsartikel SP Weinland, Andelfinger Zeitung, Ausgabe Freitag, 22.08.25

Die Sommerferien sind zu Ende und rund 15’800 Schülerinnen und Schüler starten im Kanton Zürich in die erste Klasse. Das Bildungswesen ist permanent in den Medien. Die Bildung kostet die Gemeinden und den Kanton viel Geld, und diese hohen Investitionen in die Bildung sind gerechtfertigt. Bei einer alternden Gesellschaft und Fachkräftemangel ist es unverzichtbar, den Nachwuchs für sämtliche Branchen gut auszubilden. Unsere Gesellschaft hat grossen Umwälzungen entgegenzutreten. In den vergangenen Jahren sind die Anforderungen an Kinder und ihre Eltern immer grösser geworden. Wirtschaftliche Unsicherheit, psychische Erkrankungen, Überforderung im Schulalltag sind anspruchsvolle Themen, die es zu bearbeiten gilt. Denn die Kinder und Jugendlichen werden es sein, welche morgen und übermorgen das Ruder übernehmen und die Zukunft gestalten.

Leider sind die Aussichten, dass unsere Kinder es einmal besser haben als wir, nicht mehr gegeben. Umwelt, Wirtschaft, Konflikte und Überalterung sind nur einige der Themen, welche die kommende Generation herausfordern. Die Schulen tun bereits einiges, um die Kinder auf dem Weg in die Selbständigkeit zu unterstützen. Viele der Bemühungen fruchten durchaus. Unsere Lernenden sind in der Lage, an internationalen Wettbewerben immer wieder vordere Plätze zu erzielen.

Um Chancengerechtigkeit zu schaffen und zu wahren, ist es notwendig, dass alle einen möglichst gleichberechtigten Zugang zur Bildung bekommen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Elternhaus und ihrem Geschlecht. In den Schulen im Weinland gibt es seit längerem verschiedenste Bestrebungen, dieses Ziel zu erreichen. Eine der wichtigen Stützen für die Schulen ist die Schulsozialarbeit. Sie unterstützt Kinder in schwierigen Situationen, die Kinder haben eine Ansprechperson für Anliegen und Nöte, jemanden, der sie anhört und ihnen Hilfe vermittelt, damit sie wieder konzentriert lernen können. Daneben engagieren sich auch die Lehrkräfte, die Kinder ausserhalb des Lernstoffs beim Heranwachsen zu unterstützen.

Kinder brauchen eine gute Schule mit guter Gemeinschaft, um sich positiv entwickeln zu können. Im Weinland haben wir viele Ressourcen, die dazu beitragen: Sportvereine, Mittagstische und Begegnungsorte. Dennoch ist und bleibt es unsere Aufgabe, allen Kindern und Jugendlichen zuzuhören, die Dinge auch einmal aus ihrer Perspektive zu betrachten und sie in unsere Entscheidungen einzubeziehen. Wir Erwachsenen geben ihnen damit eine Stimme. Es freut mich immer wieder zu hören, dass Kinder Teil des Dorflebens sind und ihre Bedürfnisse auch sichtbar erfüllt werden. Zum Beispiel durch Ferienangebote, Spielplätze und Vereinsstrukturen.

Holger Gurtner, SP Weinland, Gemeinderat Feuerthalen, Ressort Gesellschaft

Inselmuseum Rheinau: Erfolg dank geschickter Lobbyarbeit

Forumsartikel SP Weinland, Andelfinger Zeitung, Ausgabe Freitag, 20.06.25

Letzte Woche verbrachte ich im Rahmen einer Weiterbildung zwei Tage auf der Klosterinsel in Rheinau. Wir genossen die Atmosphäre, die wunderbare Anlage und die Stille. Ja, ruhig war es tatsächlich. Wir waren fast die einzigen Gäste auf der ganzen Insel, nur der eine oder andere Handwerker und vereinzelte Touristen fanden den Weg über die neue Brücke.
Das könnte sich in wenigen Jahren ändern. Die Regierung hat Mitte April einen Projektierungskredit von fast vier Millionen Franken für die Sanierung des Abttrakts bewilligt und ein Kostendach von 20 Millionen Franken für dessen Umnutzung zum Museum und zur Erweiterung der Musikinsel festgelegt. Nach jahrelangem Warten dürfte das endlich der entscheidende Durchbruch sein – für die Realisierung eines attraktiven, modernen Museums zur Geschichte des Klosters und der Psychiatrie in Rheinau. Das Museum würde endlich auch den Zugang der Öffentlichkeit zu einem Teil der imposanten Klosteranlage ermöglichen. Das Museumskonzept sieht zudem vor, die ganze Insel mit Spaziergängen zur Bau- und Nutzungsgeschichte des Klosters und mit einem Kloster-Krimi zu «bespielen». Die Rheinauer Klosterinsel hat schon längst ein grösseres Publikum verdient! Vielleicht gelingt es dann ja sogar, das wunderschöne Restaurant Klostergarten mit seiner zauberhaften Gartenwirtschaft direkt am Rhein zu neuem Leben zu erwecken. Weshalb das Inselmuseum Rheinau Thema des heutigen Forums ist, in welchem sich die politischen Parteien des Weinlands jeden Freitag frei äussern können, hat gute Gründe: Die Zürcher Regierung hat bereits 2009 ein Umnutzungskonzept für die ganze Insel beschlossen. Sie sollte neu zum Übungsort für Musiker:innen werden, eine Hauswirtschaftsschule für die Zürcher Mittelschulen beherbergen sowie ein Restaurant und im Abteitrakt ein Museum umfassen.
Die Bildungsdirektion realisierte inzwischen die Schule, eine Stiftung die Musikinsel, das Restaurant nahm zwar den Betrieb auf, fiel aber letztlich dem fehlenden Publikum und der Coronapandemie zum Opfer. Weil dem Kanton die Rechtsgrundlage für die Führung eigener Museen fehlt, wurde der Verein InselMuseumRheinau gegründet. Dieser entwickelte im Auftrag der Regierung mit Mitteln aus dem Lotteriefonds ein überzeugendes Detailkonzept für das Museum; die Regierung verzögerte aber während Jahren dessen Realisierung. Dass es nun endlich vorwärts geht, ist auch der geschickten Lobbyarbeit aller vier Kantonsrät:innen aus dem Bezirk zu verdanken. Einmal mehr hat sich bestätigt: Wenn die politischen Vertreter:innen des Weinlands über die Parteigrenzen hinweg energisch zusammenstehen, kann im fernen Zürich auch für eine kleine Randregion einiges bewegt werden. Dafür möchte ich unserer Vertretung im Kantonsrat herzlich danken. Spätestens wenn die Vorlage zum Abteigebäude in den Kantonsrat kommt, werden wir sie wieder dringend brauchen.

Markus Späth-Walter, SP, alt Kantonsrat, Vizepräsident InselMuseumRheinau

Warum die Familienzeit-Initiative auch im Weinland wichtig ist

Forumsartikel SP Weinland, Andelfinger Zeitung, Ausgabe Freitag, 25.04.25

Ich bin 20 Jahre alt und lebe im Zürcher Weinland. Meine Generation steht vor vielen Herausforderungen: Klimawandel, Fachkräftemangel und der Wunsch, irgendwann eine Familie zu gründen. Doch noch immer ist es in der Schweiz – und auch im Weinland – schwierig, Familie und Beruf gerecht zu vereinen. Die Familienzeit-Initiative möchte das ändern. Sie fordert 18 Wochen bezahlte Elternzeit für beide Elternteile, eine gerechtere Verteilung der Familienarbeit und echte Wahlfreiheit für alle Familien. Für mich und viele andere junge Menschen ist das längst überfällig.

Derzeit übernehmen meist die Mütter den Grossteil der unbezahlten Familienarbeit. Väter würden gern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, können dies aber oft nicht aufgrund finanzieller Einschränkungen oder gesellschaftlicher Erwartungen. Im Weinland, wo immer mehr junge Familien leben und auch die älteren Generationen eine wichtige Rolle spielen, ist das Thema besonders relevant. Unsere Region bietet ideale Bedingungen für Familien: kurze Wege, enge Gemeinschaft und Nähe zur Natur. Doch es fehlen oft die richtigen Strukturen, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren.

Einige Wirtschaftsverbände und KMUs kritisieren die Initiative als zu teuer und unflexibel. Sie befürchten, dass die Organisation in den Betrieben schwieriger wird. Gerade kleinere Unternehmen könnten Schwierigkeiten haben, Mitarbeitende während der Elternzeit vertreten zu lassen. Aber es gibt auch viele Gründe, warum gerade kleine und mittlere Unternehmen von einer familienfreundlicheren Arbeitswelt profitieren können. Wer familienfreundliche Arbeitsbedingungen bietet, gewinnt motivierte und qualifizierte Mitarbeitende, die langfristig bleiben.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Bevölkerung immer älter wird, und gleichzeitig sinkt die Zahl der Geburten. Wenn wir unsere Gesellschaft und Wirtschaft stabil halten wollen, müssen wir junge Familien stärker unterstützen. In vielen europäischen Ländern gibt es schon viel längere und besser bezahlte Elternzeiten als in der Schweiz. Hierzulande liegt die Elternzeit in vielen Fällen bei nur 14 Wochen, was im internationalen Vergleich sehr wenig ist. Das zeigt, wie dringend wir in der Schweiz aufholen müssen, um Familien die Unterstützung zu bieten, die sie brauchen.

Natürlich gibt es berechtigte Fragen zur Umsetzung und zu den Kosten. Aber diese dürfen nicht dazu führen, dass wir Fortschritte aufschieben. Wir brauchen Lösungen, die der Lebensrealität von jungen Familien gerecht werden, auch in ländlichen Regionen wie dem Weinland. Es ist an der Zeit, für eine Zukunft einzutreten, in der Eltern ihre Kinder gemeinsam betreuen und gleichzeitig im Berufsleben erfolgreich bleiben können. Die Familienzeit-Initiative ist eine Chance, die wir nutzen sollten.

Soraya Wehrli, SP Weinland

So kann einer Zunahme der älteren Bevölkerung begegnet werden

Artikel von Roland Müller in der Schaffhauser Nachrichten vom 4. April 2025

An der Delegiertenversammlung des Zweckverbands Zentrum Kohlfirst präsentierte Markus Späth das Projekt «Älter werden im Weinland».

Wenn es nach Prognosen geht, wird bis zum Jahr 2059 im Zürcher Weinland der Anteil der betagten Bevölkerung ab 80 Jahren deutlich grösser. Damit nimmt auch jener Teil zu, welcher auf eine Pflege angewiesen ist. Um frühzeitig die Weichen zu stellen, hat der Gemeindepräsidentenverband Bezirk Andelfingen (GPVA) vor einigen Jahren das Projekt «Älter werden im Weinland» lanciert, um Antworten und Lösungen zu suchen.
Man geht davon aus, dass der Anteil von Menschen ab 80 Jahren bis 2040 von heute rund 1600 auf 3200 und bis 2050 gar um 155 Prozent auf 4276 Menschen anwächst. «Wir haben heute in fünf eigenständigen Heimen mit unterschiedlichen Trägerschaften 282 Betten», führte der Präsident des Zweckverbandes Zentrum Kohlfirst, Markus Späth, vor den Delegierten und Gästen aus. Er verwies dabei einerseits auf sich abzeichnende fehlende Pflegebetten und anderseits einen hohen Anteil von Menschen mit einem tiefen Pflegebedarf. Ein Ausbau der Dienstleistungen der aktuell noch fünf Spitexorganisationen erachtet Späth mit Blick auf die unterschiedlichen Trägerschaften als schwierig. Zudem verfügt man im Weinland noch über kein betreutes Wohnen mit Anschluss an Pflegezentren oder Spitex.

Höhere Nachfrage

Bezüglich den sich abzeichnenden demografischen Entwicklungen geht die Arbeitsgruppe davon aus, dass 17 Prozent über 80 in einem Heim Pflegestufen von 5 bis 12 beanspruchen und weitere 37 Prozent deren eine von 0 bis 4 benötigt. Basierend darauf, dass die Pflegestufen 0 bis 4 in betreuten Wohnformen und nicht in Pflegeheimen erfolgen können, zeigen die Bettenprognosen, dass die Pflegeplätze ausreichend sind, sofern 150 Plätze für betreutes Wohnen geschaffen werden. Bis 2040 sind zusätzlich 61 Pflegebetten und weitere 50 Wohnplätze nötig. Für 2050 werden 271 Plätze für betreutes Wohnen und zusätzliche 174 Betten in Heimen prognostiziert. Späth zeigte sich überzeugt, dass sich mögliche Lösungen nur mit einem solidarischen Gemeinschaftswerk aller Weinländer Gemeinden realisieren lässt.
«Den Pflegezentren wird empfohlen, Ausbaumöglichkeiten von zusätzlichen Betten ab 2040 zu prüfen», sagte Späth. Weiter gilt es abzuklären, ob ein Zusatzangebot für betreutes Wohnen geschaffen werden kann. Nicht zuletzt werden aber alle fünf Heime ersucht, eine vertiefte Zusammenarbeit mit offenem Ergebnis bis hin zu einer möglichen Fusion zu prüfen. Ebenfalls geht ein Rat dahin, dass man Zusatzangebote wie eine Tagesstruktur, Entlastungspflege, Ferienangebote, Kurzpflege oder auch Nachtstätten zu prüfen hat. Denn ein möglichst langes, auch teilweise betreutes selbstständiges Wohnen entlastet die Pflegeheime insbesondere mit Betagten, welche nur wenig oder gar keine Pflege beanspruchen.

Erste Schritte gemacht

Bereits ist im Bezirk eine Fachstelle für Alter und Gesundheit aufgegleist worden. Sie soll als Anlaufstelle für ältere Menschen und ihre Angehörigen im Weinland erste Anlaufstelle bezüglich aller Altersfragen sein. Zugleich wird sie eine Vermittlung von Angeboten vornehmen. Anderseits hat diese auch die Gemeinden im Visier. Sie soll zur Vernetzung und Förderung der integrierten Versorgung im Bezirk beitragen. Zudem hat sie eine Koordinationsaufgabe zwischen den Gemeinden, der Spitex, Ärzten und Heimen vorzunehmen und auch als Fachorgan den entsprechenden Behörden und Zweckverbänden zur Verfügung zu stehen. «Alle Gemeinden ausser Ossingen sind im Boot, und man wird in der zweiten Hälfte 2025 starten», kündigte Späth an.
Vorerst übernimmt eine Ad-hoc-Trägerschaft unter der Federführung des Gemeindepräsidentenverbandes das Zepter, und es wird eine Anlaufstelle geschaffen, wobei die Zusammenarbeit mit einer bestehenden Institution bereits aufgegleist ist. Darüber hinaus ist die Gründung einer Trägerschaft für die Fachstelle in Vorbereitung. Bei ähnlichen Modellen verfügt das Weinland bereits über gewisse Erfahrungen. Späth verwies auf die Asylkoordination, wo alle Gemeinden eingebunden sind, um die Lasten gemeinsam zu tragen.

Die Inklusion ist ein Erfolgsmodell

Forumsartikel SP Weinland, Andelfinger Zeitung, Ausgabe Freitag, 28.02.25

In der Schweiz leben 1,8 Millionen Menschen mit Behinderungen, das sind 22 Prozent der ganzen Bevölkerung. Seit 2004 ist das Behindertengleichstellungsgesetz in Kraft und 2014 hat sich die Schweiz mit der Ratifizierung der UNO-Behindertenrechtskonvention zu einer inklusiven Gesellschaft verpflichtet.

Die Integration von Menschen mit Behinderungen in unsere Gesellschaft – und damit die Sicherstellung der Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben – ist ein wichtiger und richtiger Grundsatz. Es sagt viel über eine Gesellschaft aus, wie sie mit Menschen umgeht, welche spezielle Bedürfnisse haben. Die SP spricht sich klar gegen eine Ausgrenzung und Separierung von solchen Menschen aus, auch wenn dafür ein grosser Effort geleistet werden muss.

Dies gilt insbesondere auch für alle Kinder. Den Stimmen, welche behaupten, die Inklusion in der Schule sei gescheitert, muss ich hier widersprechen. Als Gymnasiallehrerin stelle ich fest, dass in den letzten 25 Jahren immer mehr Kinder mit körperlichen oder mentalen Behinderungen ins Gymnasium kommen. Es gelingt ihnen, trotz ihrer Handicaps die Primarschule zu absolvieren, die zentrale Aufnahmeprüfung zu bestehen und dann auch erfolgreich eine Matur zu machen.

Dass dies in den letzten Jahren möglich wurde, hängt stark damit zusammen, dass Kinder möglichst lange integrativ im normalen Schulsetting unterrichtet werden und auf eine Überweisung an eine Sonderschule verzichtet wird. Dass das für alle Beteiligten, sowohl für betroffene Kinder, Klassenkameraden und Lehrpersonen anspruchsvoll ist, muss an dieser Stelle auch sehr klar gesagt werden. Es ist nur möglich, wenn die nötige Unterstützung durch Fachpersonen an der Schule gewährleistet werden kann, was in der Volksschule durch Heilpädago:innen, Assistenzen, Schulsozialarbeiter:innen usw. geschieht. Es besteht aber noch Handlungsbedarf. Zum einen herrscht bekanntlich ein akuter Fachkräftemangel vor allem bei den Heilpädagog:innen. Aber auch die Ausbildung der Lehrpersonen an der Pädagogischen Hochschule muss sich verstärkter diesem Thema widmen. Am Gymnasium und an den Berufsschulen fehlen im Moment solche Unterstützungsmöglichkeiten gänzlich, und die neu eingeführte Schulsozialarbeit auf der Sekundarstufe II vermag dies allein nicht zu leisten. Es ist enorm wichtig, dass bis zum Schluss der Erstausbildung genügend Ressourcen für Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen vorhanden sind, damit sie ihre Ausbildung erfolgreich abschliessen können. Wie heisst es doch in der Präambel unserer Bundesverfassung: «Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.»

Sibylle Jüttner, Kantonsrätin SP, Andelfingen

Wie geht’s dir?

Forumsartikel SP Weinland, Andelfinger Zeitung, Ausgabe Freitag, 20.12.24

Diese Frage steht oft zu Beginn eines Gesprächs. Meist als Floskel gestellt, eröffnen diese drei Worte jedoch ein weites Feld von Antworten und enthalten eine Interessensbekundung für das Gegenüber. Diese Frage bewirkt mehr als es scheint. Sie gibt unter Umständen Halt und verbindet. Gerade in der Zeit zum Jahreswechsel, den viele festlich und schön, dennoch auch einige einsam verbringen, ist das Miteinander so wichtig. Ein ernst gemeintes «Wie geht’s dir?» wirkt.

Seit einigen Jahren vergrössert sich die Zahl derer, welche von psychischer Beeinträchtigung betroffen sind. Nicht wollen zu können, ist eine schwere Last. Ein Verständnis dafür ist in der pulsierenden Arbeitswelt gefühlt nur gering vorhanden. Der Leistungsdruck ist allgegenwärtig. Neue Rekorde, Effizienz, Rendite und vieles mehr lassen viele Menschen ratlos stehen und führen dazu, dass sie sich in einer Welt voller Anforderungen und Möglichkeiten nur schwer gehört fühlen. Die Gesundheitskosten steigen immer höher. Die IV erhält immer mehr Gesuche mit Bezug zur psychischen Gesundheit. Wir sind alle gefordert, unser Möglichstes zu tun, um gesund zu bleiben. Hierbei stehen wir nicht nur in der Pflicht, auf uns selbst zu schauen, sondern auch unsere Mitmenschen einzubeziehen. Gerade in aussichtslosen Situationen kann ein Gespräch helfen.

Die psychische Gesundheit steht im Fokus der Kampagne «Wie geht’s dir?». Mit den auffälligen gelben Bänken soll sie dazu animieren, dass diese Frage ehrlich gestellt und entsprechend auch ehrlich beantwortet werden kann. Sie trägt dazu bei, die psychische Gesundheit erkennbar zu machen. Immer noch haben wir eine dramatische Unterdeckung an Therapieplätzen für Kinder und Jugendliche. Die Wartelisten sind lang und passende professionelle Hilfe oft nicht zeitnah zu bekommen. Die eine Sache ist sicherlich, wirkungsvolle Unterstützung aufzubauen, um Betroffenen Linderung zu verschaffen. Auf der anderen Seite ist es an uns, zu uns selbst Sorge zu tragen, uns zu schätzen und unsere Mitmenschen. Gemeinsam über Sorgen sprechen zu dürfen, ist ein erster Schritt in einen entspannteren Alltag.

In der Politik ist das Thema auf der Agenda. Massnahmen werden umgesetzt, reichen aber leider nicht aus, und die Angebote entstehen in einem bescheidenen Tempo. Präventionskampagnen sind wichtig und wirken. Leider lassen sie sich nur schwer messen. Der Wert eines kurzen Gesprächs über das Befinden ist auch nicht in Zahlen messbar, aber dennoch spürbar. Probieren Sie es aus und fragen Sie bei Gelegenheit Ihr Gegenüber «Wie geht’s dir?».

Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Holger Gurtner, SP Weinland, Gemeinderat Feuerthalen

Die Standorte der Bänkli und weitere Informationen finden Sie unter www.wie-gehts-dir.ch