Mit dem Velo auf der A4 unterwegs

Eine rund 20-köpfige Gruppe der SP Weinland erhielt am Montagabend besondere Einblicke in die A4-Baustelle. Mit Astra-Projektleiter Claudio Spagnolo besichtigte sie die neue Autobahn – auf dem Fahrrad.

Lesen Sie den kompletten Artikel von Manuel Sackmann auf der Webseite der Andelfinger Zeitung. (Der Artikel öfnet sich in einer neuen Seite)

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Das Märchen vom Strom

SP-Forumsartikel für die Ausgabe der Andelfinger Zeitung vom 19.06.26

Es war einmal eine Prinzessin, die lebte in einem schönen grossen Schloss inmitten eines grossen Parks. Alles wäre wunderbar gewesen, ausser einem einzigen Problem. Im Sommer waren die grossen Räume schön kühl, aber im Winter saukalt. Obwohl jedes Zimmer mit Holz und Kohle befeuert wurde, stellte sich kein wohliges Behagen ein. Ausserdem störte die Prinzessin der massive Ausstoss von Co2, Russ und Rauch.

Wozu hat man einen Energieminister? fragte sich die Prinzessin. Minister Kartoffelstock riet ihr, im ganzen Schloss Elektrospeicher-Heizungen einzubauen. Der Strom komme günstig vom AKW, erst noch Co2-frei und immer verfügbar. Die Prinzessin war begeistert und liess das Schloss umbauen. Im nächsten Winter war es warm im Schloss. Aber eines Morgens erwachte sie und es war in allen Zimmern bitterkalt. Der herbeigerufene Kartoffelstock berichtete, man müsse im AKW Gösgen die Brennstäbe wechseln und es seien auch aufgeschobene Reparaturen nötig. Die Kosten für diese halbjährige Reparatur samt Stromausfall betrage 500 Millionen Franken. Allerdings müsse man die abgebrannten Brennstäbe hinten im Schlossgarten vergraben, dort blieben sie dann für 1 Million Jahre. Danach sei es aber wieder warm im Schloss, und Strom sei dann künftig in Hülle und Fülle da, weil er ja plane, ein paar neue AKWs zu bauen. Entsetzt fragte die Prinzessin, ob es denn keine andere Lösung gebe. Der Minister und seine Freunde antworteten darauf, dass ohne seinen Plan ein Blackout drohe, und es gebe nichts, was man dagegen tun könne.

Da bat die Prinzessin den Hofnarr um Rat. Der erzählte ihr, es gebe Leute, die als Heizung eine Wärmepumpe hätten und den Strom mit Fotovoltaik auf den Hausdächern erzeugten. Was denn das koste, wollte die Prinzessin nun wissen. Der Hofnarr antwortete ihr, mit dem Geld, das der Energieminister in neue AWKs und den Unterhalt der bestehenden stecken wolle, könnte man die ganze Schweiz mit Solarstrom und den anderen erneuerbaren Stromquellen versorgen.

Umgehend entliess die Prinzessin Minister Kartoffelstock und stattete sämtliche Dächer ihres Schlosses mit Fotovoltaik aus. Auf den Türmlein liess sie sogar kleine Windräder installieren. Endlich hatte sie es im Winter dauerhaft warm im Schloss und war sehr zufrieden. Mit dem nötigen Geld aus dem Schlossschatz stellte sie dank einer genialen Energiestrategie bis 2050 laufend die ganze Gegend auf schonende Stromversorgung um. Von einem Blackout hörte sie nie wieder etwas. 

Peter Kissling, Co-Präsident SP Weinland

Kantonsratswahlen 2027: Die SP Weinland nominiert: politisch gewichtig und altersdurchmischt

An ihrem Parteitag hat die SP Weinland die Kandidatinnen und
Kandidaten für die Kantonsratswahlen vom April 2027 bestimmt.

Medienmitteilung:
Die Liste wird angeführt von Sibylle Jüttner. Sie vertritt das Weinland seit 2022 im Kantonsrat. Als profiliertes Mitglied der Bildungskommission engagiert sich die ehemalige Schulpflegerin der Sek Andelfingen für eine Volksschule, die ihren herausfordernden gesellschaftlichen Integrations-Auftrag wirklich erfüllen kann. Die entscheidende Ressource dafür sind die Lehrpersonen. An vorderster Front setzt sich Sibylle Jüttner mit Erfolg für eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen ein. Im Bereich des öffentlichen Verkehrs kämpft sie gegen die Benachteiligung des Bezirks durch das ZVV-Tarifsystem und fordert ein Weinlandticket. Jüttner ist Historikerin und arbeitet als Geschichtslehrerin und Prorektorin an der Kantonsschule Bülach.


Auf dem zweiten Listenplatz kandidiert Holger Gurtner. Er ist neuer Gemeindepräsident von Feuerthalen und engagiert sich im Bezirk schon bisher als Vorsitzender des Projekts «älter werden im Weinland» für eine zukunftsorientierte Alterspolitik und in der Asylkoordination, der gemeinsamen Organisation aller Gemeinden für die Flüchtlingsfürsorge. Beruflich leitet Gurtner die regionale Schulsozialarbeit für die Bezirke Winterthur-Land und Andelfingen.

Soraya Wehrli lebt in Thalheim an der Thur. Vor wenigen Wochen wurde sie in die Sekundarkreisschulpflege Andelfingen gewählt. Sie arbeitet als Fachfrau Betreuung für Menschen mit Beeinträchtigungen in Rheinau und lässt sich zur Sozialpädagogin ausbilden.


Jonathan Nussbaumer wohnt in Rudolfingen und beginnt im Herbst mit dem Studium der Geschichte der Neuzeit und des Nahen Ostens an der Universität Zürich. Seit vier Jahren engagiert er sich bei den JUSO Winterthur.

Mit ihrer Viererliste setzt die SP Weinland auf Erfahrung, politisches Gewicht, Vernetzung und einen Wahlvorschlag für alle Altersgruppen. Sie will damit dazu beitragen, die gerade bei kantonalen Wahlen bedenklich tiefe Beteiligung zu verbessern.

Fördern ja – aber nicht durch Ausgrenzung

SP-Forumsartikel für die Ausgabe der Andelfinger Zeitung vom 17.04.26

Durch die eingereichte «Förderklasseninitiative» erhielt die Regierung den Auftrag, eine neue Gesetzesvorlage auszuarbeiten. Der Begriff «Förderklasse» klingt auf den ersten Blick attraktiv: Kinder mit besonderem Förderbedarf sollen gezielt unterstützt werden. Wer könnte dagegen sein? Doch die Initiative und die Umsetzungsvorlage, wie sie die bürgerliche Mehrheit der Kommission für Bildung und Kultur nun verabschiedet hat, führen in die falsche Richtung – und gefährden ein zentrales Prinzip unserer Volksschule: die integrative Bildung.

Die integrative Schule ist kein gescheitertes Experiment, sondern ein bewusst gewählter und grundsätzlich erfolgreicher Weg. Sie ermöglicht Kindern mit unterschiedlichen Voraussetzungen, gemeinsam zu lernen und voneinander zu profitieren. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die grosse Mehrheit der Eltern steht hinter diesem Modell, und nur ein kleiner Teil der Schülerinnen und Schüler ist auf verstärkte Unterstützung angewiesen. Von einem Systemversagen kann also keine Rede sein. Unsere Volksschule ist nach wie vor eine sehr gute Schule.

Trotzdem soll nun ein Modell eingeführt werden, das wieder stärker auf Separation setzt. Kinder sollen für mindestens ein Semester aus ihren Klassen herausgelöst und in Förderklassen unterrichtet werden. Was als Entlastung verkauft wird, ist in Wahrheit ein Rückschritt. Denn Separation löst die Probleme nicht – sie verlagert sie. Die Reintegration wird erschwert, der Koordinationsaufwand für Lehrpersonen steigt, und wertvolle heilpädagogische Ressourcen werden aus den Klassen abgezogen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.

Gerade diese Ressourcenfrage ist zentral: Schon heute fehlen vielerorts ausreichend ausgebildete Fachpersonen. Statt sie in separaten Strukturen zu bündeln, sollten wir sie gezielt dort einsetzen, wo sie Wirkung entfalten – im Klassenzimmer. Integration gelingt nur, wenn Lehrpersonen unterstützt werden. Um situativ zu entlasten, können erweiterte Lernräume (Schulinseln) genutzt werden. Hier werden Kinder für kurze Zeit in kleinen Settings unterrichtet – mit guten Erfahrungen vieler Schulen.

Hinzu kommt ein pädagogisches Problem: Die geplanten Förderklassen sollen Kinder mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen aufnehmen – von Lernschwierigkeiten bis zu Verhaltensauffälligkeiten. Das ist kein durchdachtes Konzept, sondern ein Kompromiss zulasten der Betroffenen. Unterschiedliche Bedürfnisse verlangen differenzierte Lösungen, nicht eine Sammelstruktur.

Auch die viel beschworene «Flexibilität» für Gemeinden überzeugt nicht. Gerade kleine und ländliche Gemeinden werden solche Förderklassen kaum wie vorgesehen umsetzen können. Die Vorlage zeigt einmal mehr, dass im Kanton häufig städtische Politik gemacht wird.

Die SP setzt deshalb auf einen anderen Weg: die Stärkung der integrativen Schule, gezielte Unterstützung innerhalb der Regelklassen und den Erhalt bewährter Förderangebote. Förderklassen mögen im Einzelfall sinnvoll sein – als flächendeckendes Instrument sind sie der falsche Ansatz.

Wer eine Schule mit Zukunft will, muss Integration weiterentwickeln – nicht zurückdrehen.

Sibylle Jüttner, Kantonsrätin SP Andelfingen

Dabei sein ist alles. Oder doch mehr?

SP-Forumsartikel für die Ausgabe der Andelfinger Zeitung vom 20.02.26

Die olympischen Spiele sind schon bald wieder Geschichte. Der Kampf um Medaillen und Diplome erfordert von uns Zuschauenden enorme Aufmerksamkeit. Den Überblick zu behalten ist mitunter anspruchsvoll. Die Sportarten sind vielfältig, und es ist für alle eine Spielart dabei, welcher man zugeneigt ist. Die Schweizer Athletinnen und Athleten sind auf Kurs, gewinnen Gold, Silber und Bronze, und auch sonst sind die Verhältnisse in der Schweizer Delegation positiv zu bewerten. Mit geeinten Kräften und viel Motivation sind sie vor Ort und geben ihr Bestes. Dabei sein ist alles für sie.

Übertragen auf das Alltagsleben in unserem Bezirk, sehe ich durchaus Parallelen. Hier sind auch ganz viele Menschen aktiv und geben ihr Bestes für sich selbst, ihr Team und ebenso für andere. Die verschiedensten Vereine ermöglichen ihren Mitgliedern, ihren Hobbys und Interessen nachzugehen. Ohne deshalb Einschränkungen oder Nachteile erfahren zu müssen. Sie dürfen sogar, im Gegensatz zu den Sportlerinnen und Sportlern, ihre Kleidung frei wählen, während bei Olympia strikte Werbeverbote gelten. Wenn ich in der Andelfinger Zeitung lese, dass der zweitletzte Männerchor des Weinlandes sich auflöse, erfüllt mich das mit Bedauern. Hingegen ist in derselben Ausgabe der Zeitung ein Bericht von einer Stabsübergabe in einer Musikgesellschaft zu lesen. Dort geht es weiter. Ein neuer «Athlet» übernimmt die Spitze und bringt neue Impulse ein. Dieses Beispiel von Veränderung und Ablösung ist eines von vielen, welches sich regelmässig wiederholt, im Weinland und anderswo in der Schweiz.

Auch bei den olympischen Spielen gab und gibt es immer wieder Neuerungen. So war das Skiballett nur einmal Teil der Spiele (1992). Hingegen kam in Nagano 1998 das Snowboarden hinzu und ist seither nicht mehr wegzudenken (in Erinnerung auch hier die erste Goldmedaille eines Schweizers in der Halfpipe). Andere Sportarten wie der Eiskunstlauf sind seit Beginn der Winterspiele im Programm. Zu ihrer Zeit brillierte Denise Biellmann mit einem Programm, welches bei heutigen Massstäben vermutlich keine vordere Platzierung eingebracht hätte.

So erleben wir neben dem Beständigen stetige Veränderungen. Diese sind meist dem Zeitgeist geschuldet, auch Traditionen sind einem Wandel ausgesetzt. Wir entwickeln unsere Lebensrealität ständig weiter, sind Teil des Ganzen und mehr als nur dabei.

Holger Gurtner, SP Weinland

Erfolgsgeschichten der SP-Weinland

Die Arbeitsgruppe «Erfolgsgeschichten der SP Weinland», bestehend aus Fabrizio Boeniger, Käthi Furrer, Peter Kissling und Thomas Röhren, hatte sich 2021 zum Ziel gesetzt, Erfolge der SP zusammenzutragen, sichtbar zu machen und sie in den grösseren Zusammenhang der Werte und Ziele der Sozialdemokratie zu stellen.

Um möglichst viel Material zu sammeln, haben wir im Oktober 2021 eine Umfrage an unsere Mitglieder geschickt und sie gebeten, uns bei der Suche nach kleinen und grossen Erfolgsgeschichten zu unterstützen, worauf einige Beiträge eingegangen sind.
Die schriftlichen Schilderungen und prägnanten Bilder stellen jeweils eine Erfolgsgeschichte anschaulich und verständlich dar.

Grundstock für die Illustrationen der historischen Teile bilden Plakate aus der Geschichte der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie. Viele davon sind bei der Stiftung SP Bildung als Dateien erhältlich.

Wir möchten mit dieser Broschüre der «internen Öffentlichkeit» – das heisst unseren Mitgliedern und Sympis – vermitteln, dass sich die SP seit über 100 Jahren für unsere Mitbürger:innen einsetzt.
Wir zeigen damit auch, wann und wie sich unsere Partei auch auf lokaler Ebene zu einem Thema hervorgetan hat, was sie in Politik und Gesellschaft erreicht hat.

Viel Freude beim Blättern durch unsere Erfolgsgeschichten.
Käthi Furrer

Lesen Sie noch Nachrichten?

SP-Forumsartikel für die Ausgabe der Andelfinger Zeitung vom 12.12.25

Ist es wahr, dass immer mehr Leute Nachrichten verweigern? 46 Prozent, so gross sei der Anteil der Bevölkerung, der darauf verzichte, Nachrichten aus verlässlichen Quellen zu lesen, zu hören oder zu sehen. Diese Studie des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft wurde von SRF Ende Oktober der Öffentlichkeit unter dem Begriff Nachrichtenverzicht (News Deprivation) präsentiert. Vielleicht trifft Nachrichtenvermeidung (News Avoidance) die Tatsache eher.

Auch ohne Studie ist es klar, dass sich das Verhalten Medien und Nachrichten gegenüber verändert hat. Journalistische Nachrichten in Fernsehen, Radio und Zeitungen werden durch soziale Medien ergänzt. Oder man setzt ganz auf soziale Medien.

Warum verzichtet man auf Nachrichten? Viele Leute haben die nicht enden wollenden negativen Nachrichten von Krisen, Skandalen und Katastrophen satt. Sie verzichten auf eine faktenbasierte Information, weil sie die negativen Nachrichten nicht ertragen, oder weil sie von deren Menge und Komplexität überfordert sind. Sie hängen zwar den ganzen Tag am Handy und konsumieren Medien, aber halt immer weniger Nachrichten. Man schaut lieber eine Netflix-Serie als eine News-Sendung und konsumiert in unserer von Social Media überfluteten Welt lieber unterhaltsame oder sensationelle Nachrichten. Das ist weniger anstrengend. Damit wird es zu einer Herausforderung, zwischen journalistischer Quelle, Falschmeldungen und Influencern, zwischen Tatsachen und Meinungen zu unterscheiden.

Gemäss der Studie beteiligen sich Nachrichten-Abstinenzler weniger am demokratischen Prozess. Sie gehen weniger abstimmen und haben weniger Vertrauen in die Politik und in die Medien. Andere lassen sich durch die vereinfachte emotionale Stimmungsmache von Social Media leicht manipulieren.

Was kann man da tun? Ein Lösungsansatz liegt wie immer auf der Hand: Die Schule soll nebst all den anderen Aufgaben die Medienkompetenz und die Staatskunde fördern. Aber lernt man nicht zuhause Werte und Haltungen, die später in der Schule, im öffentlichen Leben und im Beruf Bestand haben?

Das würde bedeuten, dass man Qualitätsmedien abonniert (z. B. öffentlich-rechtliche Angebote, etablierte Zeitungen, lokale Zeitungen) und dass man die Nachrichten mit anderen diskutiert (Freunde, Familie). Das fördert Verständnis und Einordnung. Wir müssen uns selbst an der Nase nehmen, selbst denken, selbst nachforschen und kritisch hinterfragen.

Wie immer Sie sich informieren, vertrauen Sie verlässlichen Quellen und tappen Sie nicht in die Falle von Fake-News, Stimmungs- und Meinungsmache!

Anita Fleury, SP Weinland

Die grosse Angst vor Tempo 30

SP-Forumsartikel für die Ausgabe der Andelfinger Zeitung vom 17.10.25

Vor dem Ortseingang von Benken steht, wenn man von Uhwiesen her einfährt, eine 60er Tafel. Keine 100 m weiter abwärts folgt die Tafel für Tempo 50. Diese hätte man sich sparen können, wäre auf der ersten Tafel bereits Tempo 50 signalisiert. Noch extremer ist die Situation bei der Einfahrt Trüllikon von Westen her: zuerst Tempo 50, nach nur 30 m folgt Tempo 40. Es scheint den zuständigen Beamten des Kantons extrem wichtig zu sein, dass man auf diesen paar Metern noch 10 km/h schneller fahren darf.

Noch deutlicher aber wird dieses Beharren auf möglichst hohem Tempo beim Projekt der Ortseinfahrt Ossingen, über die in der Andelfinger-Zeitung Mitte September berichtet wurde. Der Kanton plant dort eine Mittelinsel zur Verkehrsberuhigung, wobei immer noch Tempo 50 gelten würde. Weil die Strasse recht eng ist, müssen auf beiden Seiten die schönen Vorgärten verkleinert werden, die das schützenswerte Ortsbild prägen. Bevölkerung und Gemeinderat schlagen eine einfache Lösung vor: Die bestehende Tempo-30-Zone sollte in diesen Bereich vorgezogen werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die angestrebte Verkehrsberuhigung tritt ein, die Sicherheit wird verbessert, die Lärmbelastung sinkt, und nicht zuletzt: Die Kosten dürften einen Bruchteil der Kantonslösung betragen. Aber der Kanton macht da bis jetzt nicht mit.

Ich frage mich: Woher kommt es, dass autofreundliche Kreise Tempo 30 fürchten wie der Teufel das Weihwasser? Verkehrsminister Rösti hat sogar eine Verordnung ausgeheckt, die es den Städten und Gemeinden stark erschweren soll, Tempo 30 einzuführen. Weil eine Verordnung nicht dem Referendum unterstellt ist, soll das Stimmvolk nichts dazu zu sagen haben. Wo bleiben da die demokratischen Volksrechte, die die SVP doch immer so hochhält?

Dabei haben Pilotversuche, z. B. in Aaraus stark befahrener Bahnhofstrasse, gezeigt, welches die Vorteile von Tempo 30 sind: Stark verbesserte Verkehrssicherheit, sinkender Lärmpegel, und – in krassem Gegensatz zu den Befürchtungen der Gegner – eine Verbesserung des Verkehrsflusses.

Warum also dieser Abwehrreflex gegen Tempo 30? Wenn überhaupt Zeitverluste eintreten, dürften sie sich gerade auf städtischen Strecken im Sekundenbereich bewegen. Auch wird beklagt, dass der öffentliche Verkehr behindert werden könnte. Werden sich die Leute, die dieses Argument vorbringen, bei den nächsten Vorlagen auch so vehement für den ÖV einsetzen?

Ich jedenfalls hoffe, dass der Ausbau von Tempo 30 nicht behindert wird. Denn in einem Punkt sind wir uns hoffentlich alle einig: Jedes Unfallopfer ist eines zu viel. Tempo 30 hilft, sie zu vermeiden.

Jürg Keller, SP Weinland

Schulsozialarbeit – eine wichtige Stütze für die Schulen

Forumsartikel SP Weinland, Andelfinger Zeitung, Ausgabe Freitag, 22.08.25

Die Sommerferien sind zu Ende und rund 15’800 Schülerinnen und Schüler starten im Kanton Zürich in die erste Klasse. Das Bildungswesen ist permanent in den Medien. Die Bildung kostet die Gemeinden und den Kanton viel Geld, und diese hohen Investitionen in die Bildung sind gerechtfertigt. Bei einer alternden Gesellschaft und Fachkräftemangel ist es unverzichtbar, den Nachwuchs für sämtliche Branchen gut auszubilden. Unsere Gesellschaft hat grossen Umwälzungen entgegenzutreten. In den vergangenen Jahren sind die Anforderungen an Kinder und ihre Eltern immer grösser geworden. Wirtschaftliche Unsicherheit, psychische Erkrankungen, Überforderung im Schulalltag sind anspruchsvolle Themen, die es zu bearbeiten gilt. Denn die Kinder und Jugendlichen werden es sein, welche morgen und übermorgen das Ruder übernehmen und die Zukunft gestalten.

Leider sind die Aussichten, dass unsere Kinder es einmal besser haben als wir, nicht mehr gegeben. Umwelt, Wirtschaft, Konflikte und Überalterung sind nur einige der Themen, welche die kommende Generation herausfordern. Die Schulen tun bereits einiges, um die Kinder auf dem Weg in die Selbständigkeit zu unterstützen. Viele der Bemühungen fruchten durchaus. Unsere Lernenden sind in der Lage, an internationalen Wettbewerben immer wieder vordere Plätze zu erzielen.

Um Chancengerechtigkeit zu schaffen und zu wahren, ist es notwendig, dass alle einen möglichst gleichberechtigten Zugang zur Bildung bekommen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Elternhaus und ihrem Geschlecht. In den Schulen im Weinland gibt es seit längerem verschiedenste Bestrebungen, dieses Ziel zu erreichen. Eine der wichtigen Stützen für die Schulen ist die Schulsozialarbeit. Sie unterstützt Kinder in schwierigen Situationen, die Kinder haben eine Ansprechperson für Anliegen und Nöte, jemanden, der sie anhört und ihnen Hilfe vermittelt, damit sie wieder konzentriert lernen können. Daneben engagieren sich auch die Lehrkräfte, die Kinder ausserhalb des Lernstoffs beim Heranwachsen zu unterstützen.

Kinder brauchen eine gute Schule mit guter Gemeinschaft, um sich positiv entwickeln zu können. Im Weinland haben wir viele Ressourcen, die dazu beitragen: Sportvereine, Mittagstische und Begegnungsorte. Dennoch ist und bleibt es unsere Aufgabe, allen Kindern und Jugendlichen zuzuhören, die Dinge auch einmal aus ihrer Perspektive zu betrachten und sie in unsere Entscheidungen einzubeziehen. Wir Erwachsenen geben ihnen damit eine Stimme. Es freut mich immer wieder zu hören, dass Kinder Teil des Dorflebens sind und ihre Bedürfnisse auch sichtbar erfüllt werden. Zum Beispiel durch Ferienangebote, Spielplätze und Vereinsstrukturen.

Holger Gurtner, SP Weinland, Gemeinderat Feuerthalen, Ressort Gesellschaft

Inselmuseum Rheinau: Erfolg dank geschickter Lobbyarbeit

Forumsartikel SP Weinland, Andelfinger Zeitung, Ausgabe Freitag, 20.06.25

Letzte Woche verbrachte ich im Rahmen einer Weiterbildung zwei Tage auf der Klosterinsel in Rheinau. Wir genossen die Atmosphäre, die wunderbare Anlage und die Stille. Ja, ruhig war es tatsächlich. Wir waren fast die einzigen Gäste auf der ganzen Insel, nur der eine oder andere Handwerker und vereinzelte Touristen fanden den Weg über die neue Brücke.
Das könnte sich in wenigen Jahren ändern. Die Regierung hat Mitte April einen Projektierungskredit von fast vier Millionen Franken für die Sanierung des Abttrakts bewilligt und ein Kostendach von 20 Millionen Franken für dessen Umnutzung zum Museum und zur Erweiterung der Musikinsel festgelegt. Nach jahrelangem Warten dürfte das endlich der entscheidende Durchbruch sein – für die Realisierung eines attraktiven, modernen Museums zur Geschichte des Klosters und der Psychiatrie in Rheinau. Das Museum würde endlich auch den Zugang der Öffentlichkeit zu einem Teil der imposanten Klosteranlage ermöglichen. Das Museumskonzept sieht zudem vor, die ganze Insel mit Spaziergängen zur Bau- und Nutzungsgeschichte des Klosters und mit einem Kloster-Krimi zu «bespielen». Die Rheinauer Klosterinsel hat schon längst ein grösseres Publikum verdient! Vielleicht gelingt es dann ja sogar, das wunderschöne Restaurant Klostergarten mit seiner zauberhaften Gartenwirtschaft direkt am Rhein zu neuem Leben zu erwecken. Weshalb das Inselmuseum Rheinau Thema des heutigen Forums ist, in welchem sich die politischen Parteien des Weinlands jeden Freitag frei äussern können, hat gute Gründe: Die Zürcher Regierung hat bereits 2009 ein Umnutzungskonzept für die ganze Insel beschlossen. Sie sollte neu zum Übungsort für Musiker:innen werden, eine Hauswirtschaftsschule für die Zürcher Mittelschulen beherbergen sowie ein Restaurant und im Abteitrakt ein Museum umfassen.
Die Bildungsdirektion realisierte inzwischen die Schule, eine Stiftung die Musikinsel, das Restaurant nahm zwar den Betrieb auf, fiel aber letztlich dem fehlenden Publikum und der Coronapandemie zum Opfer. Weil dem Kanton die Rechtsgrundlage für die Führung eigener Museen fehlt, wurde der Verein InselMuseumRheinau gegründet. Dieser entwickelte im Auftrag der Regierung mit Mitteln aus dem Lotteriefonds ein überzeugendes Detailkonzept für das Museum; die Regierung verzögerte aber während Jahren dessen Realisierung. Dass es nun endlich vorwärts geht, ist auch der geschickten Lobbyarbeit aller vier Kantonsrät:innen aus dem Bezirk zu verdanken. Einmal mehr hat sich bestätigt: Wenn die politischen Vertreter:innen des Weinlands über die Parteigrenzen hinweg energisch zusammenstehen, kann im fernen Zürich auch für eine kleine Randregion einiges bewegt werden. Dafür möchte ich unserer Vertretung im Kantonsrat herzlich danken. Spätestens wenn die Vorlage zum Abteigebäude in den Kantonsrat kommt, werden wir sie wieder dringend brauchen.

Markus Späth-Walter, SP, alt Kantonsrat, Vizepräsident InselMuseumRheinau